Ärzte Zeitung, 16.08.2012

IG Metall

Nicht alle gehen gesund in Rente

Der Fachkräftemangel birgt Chancen auch für Ältere. "Stimmt nicht", sagt die IG Metall und warnt vor einer Fata Morgana.

BERLIN (af). Nicht einmal jedes dritte Unternehmen betreibt eine mittelfristige Personalplanung, die den demografischen Wandel berücksichtigt. Dies geht aus einer Umfrage der IG Metall unter knapp 4000 Betriebsräten in der Metallbranche hervor.

80 Prozent der Befragten gehen demnach davon aus, dass die Beschäftigten das gesetzliche Rentenalter nicht gesund und leistungsfähig erreichen werden. "Viele Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer werden unter den heutigen Arbeitsbedingungen objektiv nicht bis zum Alter von 67 Jahren arbeiten können", stellte IG-Metall-Vize Detlef Wetzel am Donnerstag in Berlin fest.

Den Ergebnissen der Umfrage zufolge scheinen die so dringend an der Werkbank gebrauchten älteren Kollegen ein Mythos zu sein. Demnach sind von den in den Metall verarbeitenden Betrieben Beschäftigten gerade 3,8 Prozent älter als 60 Jahre.

Nur jeder hundertste Metaller ist älter als 63 Jahre. "Die schöne neue Arbeitswelt für die Älteren ist eine Fata Morgana", sagte Hans-Jürgen Urban, Geschäftsführendes Vorstandsmitglied der IG Metall.

Die Appelle, dass der Arbeitsmarkt auf die Erfahrungen älterer Menschen in Zukunft nicht mehr verzichten werden könne, scheinen ungehört verhallt zu sein.

Qualifizierungsangebote für ältere Arbeitnehmer sind selten

Lediglich in sechs Prozent der Betriebe werden die Arbeitsplätze häufig altersgerecht angepasst. In 92 Prozent der Betriebe geschehe dies "selten" oder "so gut wie nie", geht aus den Umfrageergebnissen hervor.

Oft tun die Arbeitgeber nur, was der Gesetzgeber zwingend vorschreibt. Innovative Formen altersgerechter Arbeitsplätze und -abläufe würden kaum genutzt.

Bei der Bildung altersgemischter Teams oder spezieller Angebote für ältere Beschäftigte halten sich die Arbeitgeber zurück. Nur drei Prozent der älteren Arbeitnehmer erhielten in ihren Unternehmen ausreichende Qualifizierungsangebote.

Nicht klären konnte die Umfrage, ob in die vorgeschriebenen Gefährdungsbeurteilungen von Arbeitsplätzen inzwischen auch psychische Gefährdungen einfließen.

Aus den Umfrageergebnissen leiten die Vertreter der IG Metall politische Forderungen ab. "Politik und Arbeitgeber haben die Rente mit 67 gewollt. Jetzt müssen sie mindestens dafür sorgen, dass die Leute auch bis dahin arbeiten können", sagte Dieter Wetzel.

Eine Möglichkeit seien zum Beispiel flexible Ausstiegsoptionen aus dem Arbeitsprozess.

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