Ärzte Zeitung, 02.01.2013
 

Medizin-Bachelor

Kassel und Southampton im Startloch

Ab dem Wintersemester 2013 soll die Kassel School of Medicine an den Start gehen. Doch noch immer sind einige Fragen offen.

Von Katja Schmidt

KASSEL. Ein Gebäude gibt es schon: Der Schriftzug "Kassel School of Medicine" (KSM) ist seit Kurzem bei der Anfahrt auf das Kasseler Klinikum zu sehen. Studierende gibt es noch nicht.

Doch ab Mai 2013 können sich Abiturienten nun für den bilingualen Medizinstudiengang bewerben, den der große kommunale Klinikkonzern Gesundheit Nordhessen Holding (GNH) und die britische Universität Southampton gemeinsam entwickelt haben.

Nach Angaben der Kooperationspartner handelt es sich um den ersten deutsch-englischen Humanmedizin-Studiengang überhaupt.

Zum Wintersemester 2013 können 24 Studierende das Studium an der KSM aufnehmen. Ihnen werde ein besonders patientennahes und problemorientiertes Studium geboten, so Professor Irina Berger, Direktorin des Instituts für Pathologie am Kasseler Klinikum.

Ein Tutor soll durchs Studium begleiten, Frontalunterricht selten sein - das Lernen in Kleingruppen hingegen die Regel.

Für die besonderen Lehranforderungen der englischen Partner sollen sich auch die Chef- und Oberärzte der GNH fortbilden. Ein- bis zweiwöchige Aufenthalte in Southhampton plus Vor- und Nachbereitung sind vorgesehen.

Beim Marburger Bund in Hessen sieht man die Dinge nicht so rosig: Die Ärzte hätten eine Zusicherung des Vorstands gewollt, dass sie die Lehre nicht "on top" machen müssen, hätten diese aber nicht bekommen, sagte ein Pressereferentin.

Verhandelung über Stipendien

Bis auf wenige Chefärzte sei der Zuspruch der Ärzte in Kassel bisher sehr gering. Für den Ruf des Klinikums sei die Medical School sicher gut, heißt es beim MB. Ob der kommunale Klinikkonzern mit dem Projekt Ärzte-Nachwuchs an sich binden könne, sei aber nicht sicher.

Für die Nachwuchs-Bindung wichtig dürfte sein, ob die jungen Mediziner im ersten Jahr nach dem Studium bei der GNH bleiben. Das KSM-Studium wird - wie das Medizinstudium in England - nicht sechs, sondern nur fünf Jahre dauern.

Am Ende steht die Prüfung zum "Bachelor of Medicine". Um damit die volle Approbation zu erlangen, ist dann noch ein so genanntes "Foundation Year" zu absolvieren - in dem die Nachwuchsmediziner bereits als Ärzte bezahlt werden und die Zeit auf die deutsche Facharztausbildung angerechnet werden soll.

Um dieses Anerkennungsjahr anbieten zu dürfen, muss die GNH in England dafür zugelassen werden. Die Signale seien sehr positiv, sagte Vorstandschef Gerhard Sontheimer.

Dr. Clare Polack, Programmdirektorin des Projekts auf englischer Seite, sieht es als Vorteil, dass die Studierenden zwei Gesundheitssysteme kennenlernen werden.

"Sie lernen das Beste aus beiden Systemen." Die ersten zwei Jahre der Ausbildung werden die Studierenden weitestgehend in Southampton verbringen. Danach folgen drei Jahre klinische Ausbildung an den Häusern der GNH.

Wer sich für die KSM entscheidet, wird pro Jahr 12.000 Euro Studiengebühren aufbringen müssen. Auch über Stipendien-Angebote wird noch verhandelt.

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