Ärzte Zeitung, 25.09.2013
 

Paritätische Wohlfahrtsverband

Gesundheitserziehung an Schulen gefordert

Der Paritätische Wohlfahrtsverband sieht Mängel in der Versorgung von Menschen ohne Krankenversicherung.

HAMBURG. Bund, Länder und Kommunen sind gefordert, um Menschen ohne Krankenversicherung in Deutschland zu helfen, fordert der Paritätische Wohlfahrtsverband Hamburg. Auf allen drei Ebenen sollten Vorkehrungen getroffen werden, damit die Betroffenen medizinisch versorgt werden können.

Zu den Betroffenen zählen längst nicht mehr nur wohnungslose Menschen, so der Verband in Hamburg. Auch Strafentlassene mit chronischen Erkrankungen bekämen Probleme, wenn sie eine sofortige Medikation benötigen.

Denn bei vielen liege zum Zeitpunkt der Entlassung kein vorzeigbarer Versicherungsschutz vor - dieser muss erst beantragt werden.

Viele Ausländer ohne Krankenversicherungsschutz

Hinzu kommen viele Ausländer ohne Krankenversicherungsschutz etwa aus Polen, Bulgarien und Rumänien, die sich in Deutschland aufhalten, Menschen ohne Papiere und einst privat Versicherte, die sich den Basistarif nicht mehr leisten können.

Im derzeitigen System sieht der Paritätische diese Menschen unzureichend oder gar nicht versorgt, was sich in deutlichen Unterschieden in der Lebenserwartung zeigt: rund ein Drittel der von Armut betroffenen Männer erreicht nicht das 65. Lebensjahr.

Der Verband fordert deshalb, der Gesundheitsvorsorge mehr Bedeutung beizumessen, und eine Neuorganisation der Versorgungsstruktur hin zu aufsuchenden, niedrigschwelligen Angeboten und eine allgemein von mehr Respekt und Wertschätzung geprägte Diskussion zum Kontext Armut und Gesundheit.

Gesundheitserziehung an Schulen einführen

Vom Bund erwartet man neben der Einführung der Bürgerversicherung, einer paritätischen Finanzierung durch Arbeitgeber und Arbeitnehmer und die Abschaffung von Eigen- und Zusatzleistungen für Patienten, die soziale Transferleistungen erhalten.

Auch die Länder könnten reagieren: etwa mit zielgruppenorientierten Präventionsmaßnahmen an "einschlägigen Treffpunkten" wie etwa Jobcentern oder Jugendheimen.

Sie könnten Gesundheitserziehung an Schulen und Screening-Untersuchungen im Kindergarten einführen. Von den Kommunen erhofft man sich Arbeitsgruppen, die die Gesundheitsversorgung vor Ort untersuchen und die Einführung eines regionalen Gesundheitsfonds zur Finanzierung nicht krankenversicherter Menschen. (di)

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