Ärzte Zeitung online, 12.07.2017
 

Erste Zwischenbilanz

"Vertrauliche Geburt" beschäftigt Regierung

Als Alternative zur Babyklappe war vor gut drei Jahren die "vertrauliche Geburt" eingeführt worden. Die erste Bilanz des Familienministeriums beschäftigt heute das Bundeskabinett.

"Vertrauliche Geburt" beschäftigt Regierung

Mit 16 Jahren erhält das Kind einer "Vertraulichen Geburt" einen versiegelten Briefumschlag mit dem Namen der Mutter.

© VRD / Fotolia

BERLIN. Überforderung, Vergewaltigung, gewalttätige Väter: Es gibt verschiedene Gründe, warum Frauen ihr Baby weggeben und unerkannt bleiben wollen. Drei Jahre nach Einführung der "vertraulichen Geburt" zieht die Bundesregierung eine erste Bilanz. Familienministerin Katarina Barley (SPD) präsentiert die Ergebnisse heute zuerst dem Kabinett und anschließend der Öffentlichkeit.

Die "vertrauliche Geburt", die im Mai 2014 eingeführt wurde, soll schwangeren Frauen eine Alternative zur Babyklappe zu bieten. Sie können ihr Kind im Krankenhaus oder bei einer Hebamme zur Welt bringen und trotzdem vorerst anonym bleiben. Das Jugendamt nimmt das Baby in Obhut und macht sich auf die Suche nach Adoptiveltern.

Laut Familienministeriums wurde die "vertrauliche Geburt" seit 2014 bereits mehr als 300 Mal genutzt.

Kind hat Anrecht auf Namen der Mutter

Der Name der leiblichen Mutter wird in einem versiegelten Umschlag verwahrt, den niemand öffnen darf – außer dem Kind, wenn es 16 Jahre alt ist.

In Ausnahmefällen kann die Mutter sogar vor Gericht durchsetzen, dass sie dauerhaft anonym bleibt. Dafür muss allerdings ihr Leben, ihre Gesundheit oder ihre persönliche Freiheit bedroht sein.

Wenn sich die Situation der Mutter ändert, kann sie sich in den ersten Monaten nach der Geburt doch noch für ein Leben mit ihrem Kind entscheiden. Allerdings nur bis zum Beginn des offiziellen Adoptionsverfahrens; das startet in der Regel nach etwa einem Jahr.

Wenn diese Frist abgelaufen ist, gibt es für die leibliche Mutter keine Möglichkeit zur Kontaktaufnahme mehr. (dpa)

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