Krebsfrüherkennung
Prostatakrebs-Screening wahrscheinlich ähnlich effektiv wie Brustkrebs-Screening
Ein Brustkrebs-Screening gibt es, ein bevölkerungsbasiertes Screening auf Prostatakrebs jedoch nicht. Die beiden Früherkennungsuntersuchungen sind allerdings ähnlich effektiv, fanden DKFZ-Forscher heraus.
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Prostatakarzinom: Ergebnisse einer DKFZ-Auswertung sprechen für ein bevölkerungsbasiertes Prostatakrebs-Screening.
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Obwohl Brust- und Prostatakrebs in Europa die häufigsten Krebsarten bei Männern bzw. Frauen sind, unterscheiden sich die Früherkennungsprogramme für diese Krankheiten erheblich.
Organisierte Brustkrebs-Screening-Programme gibt es in Europa seit mehr als drei Jahrzehnten. Das Prostatakrebs-Screening hinkt hinterher, vor allem aufgrund von Bedenken hinsichtlich der Genauigkeit des PSA-Bluttests in der Erkennung von Prostatakrebs und der Risiken einer Überdiagnose und Übertherapie mit entsprechenden Langzeit- und Spätfolgen.
Gegenüberstellung von PSA-Bluttest und Mammographie
Nun zeigt eine Analyse der PROBASE-Studie (Eur Urol 2026;89(3):193-195): Das Prostatakrebs-Screening auf Basis eines PSA-Bluttests erkennt eine invasive Krebserkrankung vergleichbar gut wie das Mammographie-Brustkrebs-Screening (60–74 % gegenüber 73 %). Die Ergebnisse wurden beim Kongress der Europäischen Vereinigung für Urologie (EAU) in London vorgestellt, wie das Deutsche Krebsforschungszentrum (DKFZ) am Montag (16. März) mitteilte.
Beim PSA-Screening wurden im Vergleich zum Mammographie-Screening nur unwesentlich häufiger langsam wachsende (indolente) Krebserkrankungen festgestellt (26–31 % gegenüber 22 %). Auch lassen sich Überdiagnosen wahrscheinlich vergleichbar gut vermeiden.
Und: Mehrere Prostatakrebs-Screening-Studien in Europa haben Langzeitergebnisse vorgelegt, die für die Screening-Gruppe ein verringertes Risiko von 0,22 % für den Tod durch Prostatakrebs zeigen. Diese Risikoreduktion ist vergleichbar mit derjenigen, die bei Brustkrebs-Screening-Programmen beobachtet wird.
In die aktuelle Analyse flossen Daten von 39.392 PROBASE-Teilnehmern ein, die im Alter von 45 oder 50 Jahren einen ersten PSA-Bluttest absolviert hatten. Diese Daten verglichen sie mit Daten von über 2,8 Millionen Frauen im Alter von 50 bis 69 Jahren, die im organisierten Brustkrebs-Screening-Programm eine Mammographie in Anspruch genommen hatten.
Bald bevölkerungsbasiertes Prostatatkrebs-Screening?
Auf der Basis ihrer Ergebnisse kommen die Forschenden zu dem Schluss, dass es angesichts der vergleichbaren Wirksamkeit beider Screening-Formen nicht mehr nachvollziehbar ist, das PSA-basierte Prostatakrebs-Screening abzulehnen, während das organisierte Screening auf Brustkrebs befürwortet wird.
Allerdings schränken sie ein, dass für ihre aktuelle Untersuchung eine klinische Studie mit einem bevölkerungsbasierten Screeningprogramm verglichen wurde – und es außerdem um zwei verschiedene Krebsarten geht.
Sigrid Carlsson vom DKFZ ist die Erstautorin der vergleichenden Analyse. Sie wird in der Mitteilung des DKFZ zitiert: „Solange wir kein bevölkerungsbasiertes Screening-Programm für Prostatakrebs haben, können wir keinen exakten Vergleich mit Brustkrebs anstellen.
Aber auf der Grundlage unserer aktuellen Analyse können wir begründet annehmen, dass die Ergebnisse wahrscheinlich sehr ähnlich wie bei Brustkrebs wären, wenn das Prostatakrebs-Screening mittels PSA auf die Bevölkerung ausgeweitet würde. Wir gehen auch davon aus, dass unsere deutschen Daten auch auf andere Länder übertragbar sind.“ (eb)










