AU-Geschehen 2025

Effekt der elektronischen AU-Bescheinigung: Krankenstand ist um 2,5 Tage höher

Der Krankenstand ist 2025 leicht auf 23,3 Tage gesunken. Das Wissenschaftliche Institut der AOK hat in einer Modellierung berechnet, dass die Fehlzeiten ohne den Effekt der eAU um rund 2,5 Tage niedriger ausfallen würden.

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Junge Frau mit Erkältung, die sich die Nase putzt.

Schniefnase: Um Effekte der elektronischen Krankschreibung zu prüfen, haben Versorgungsforscher beispielhaft die von Hausärzten gestellten Diagnosen bei akuten Atemwegserkrankungen untersucht.

© Pixland / Thinkstock

Berlin. Die seit der Corona-Pandemie höheren Krankenstände gehen maßgeblich auf die elektronische AU-Bescheinigung zurück. Das geht aus Analysen des Wissenschaftlichen Instituts der AOK (WIdO) hervor, für die Daten von etwa 14,9 Millionen erwerbstätigen AOK-Versicherten ausgewertet wurden.

Das Institut verzeichnet für 2025 einen leicht gesunkenen Krankenstand: 23,3 Tage sind demnach AOK versicherte Beschäftigte im Durchschnitt ausgefallen (2024: 23,9 Tage). Damit liegt dieser Wert mittlerweile mehr als einen Tag unter dem Höchststand im Jahr 2022 (24,5 Tage).

Das WIdO hat in einer Modellrechnung den statistischen Effekt kalkuliert, der 2022 durch die neu eingeführte elektronische AU-Bescheinigung (eAU) bewirkt wurde. Kurzzeit-Erkrankungen werden seitdem vollständiger erfasst als zu Zeiten des alten Krankenscheins, da AU-Bescheinigungen seitdem automatisch von den Arztpraxen an die Krankenkassen geschickt werden.

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Ohne diesen Effekte wären für das vergangene Jahr 20,8 Fehltage ermittelt wurden, geht aus der Modellierung des WIdO hervor – rund 2,5 Tage weniger als der tatsächlich im Vorjahr gemessene Wert. WIdO-Geschäftsführer Helmut Schröder sieht durch die eAU eine „bemerkenswerte Niveau-Verschiebung nach oben“.

Getrieben werde diese Entwicklung durch kurze Krankheitsphasen: Konnten im Jahr 2016 noch 6,7 AU-Tage auf kurzeitige Ausfälle von Beschäftigten zurückgeführt werden, so waren es im Vorjahr im Schnitt 9,1 Tage. Bei Erkrankungen, die mehr als sechs Wochen andauerten, waren hingegen solche Verschiebungen nicht zu beobachten, berichtet das WIdO.

AU-Bescheinigung in zwei Drittel der Fälle übermittelt

Um die Effekte gegenzuprüfen, haben die Versorgungsforscher beispielhaft von Hausärzten gestellte Diagnosen bei akuten Atemwegserkrankungen untersucht. Geprüft wurde, ob dazu auch eine AU-Bescheinigung an die AOK übermittelt wurde. Während im Jahr 2019 nur bei rund zwei Drittel (65 Prozent) der Arztbesuche auch eine AU-Bescheinigung vorlag, traf dies 2024 auf rund 86 Prozent der Arztbesuche zu.

„Weder bei der durchschnittlichen Erkrankungsschwere noch in der ärztlichen Krankschreibungspraxis dürfte es in diesem Zeitraum große Veränderungen gegeben haben“, erläutert WIdO-Geschäftsführer Schröder.

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Aus Wochenberichten des Robert Koch-Instituts wie aus Abrechnungsdaten der AOK gehe zudem hervor, dass seit 2022 in Hausarztpraxen deutlich mehr Patienten mit akuten Atemwegsinfekten versorgt wurden als vor und während der Corona-Pandemie.

40 Prozent der AU-Tage durch Langzeitausfälle

Die Untersuchung bestätigt zudem den Trend eines Anstiegs von Erkrankungen mit einer Dauer von über sechs Wochen. Sie machten zwar nur 3,3 Prozent der AU-Fälle aus. Doch würden mehr als 40 Prozent der gesamten AU-Tage durch sie verursacht. Psychische Erkrankungen seien der größte Treiber für Langzeiterkrankungen – sie gehen mit Ausfallzeiten von durchschnittlich 28,5 Arbeitstagen einher. (fst)

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