Ärzte Zeitung online, 16.11.2017

Baden-Württemberg

Arzt per Video trifft auf Skepsis

Umfrage von Forsa im Südwesten zeigt differenziertes Meinungsbild zur Digitalisierung in der GKV.

STUTTGART. Per Webcam mit dem Arzt zu sprechen – das kann sich nur ein Viertel der Menschen in Baden-Württemberg vorstellen. Das ergibt sich aus einer repräsentativen Umfrage von Forsa im Auftrag der AOK Baden-Württemberg. Dazu sind 507 Menschen über 18 Jahre im August telefonisch befragt worden.

73 Prozent der Befragten erklärten, eine Video-Sprechstunde nutzen zu wollen käme für sie derzeit nicht in Frage. Bei Frauen ist die Ablehnungsquote mit 77 Prozent höher als bei Männern (69 Prozent). Interessant: Die Zustimmung zur virtuellen Sprechstunde ist bei 18- bis 29-Jährigen mit 23 Prozent genauso niedrig wie bei über 60-Jährigen. Am höchsten ist die Zustimmung in der Gruppe der 30- bis 44-Jährigen (37 Prozent).

In Gemeinden mit weniger als 20.000 Einwohnern, die künftig von Versorgungsengpässen am stärksten betroffen sein könnten, ist die Zustimmung zur Video-Sprechstunde mit 24 Prozent besonders niedrig. In großen Städten über 100.000 Einwohner ist die Zustimmung um acht Punkte höher (32 Prozent).

Geht es hingegen um die elektronische Übersendung von Rezepten oder Überweisungen, dann signalisiert eine Mehrheit von 60 Prozent der Befragten Zustimmung. Wieder ist die Zustimmung zu diesem zeitsparenden Verfahren bei den von Familie und Beruf beanspruchten 30- bis 44-Jährigen mit Abstand am höchsten (78 Prozent). Bei älteren Menschen über 60 Jahre sinkt die Akzeptanz der elektronischen Rezeptübermittlung auf 44 Prozent.

Auf einer abstrakt-generellen Ebene befürworten zwei Drittel der befragten Baden-Württemberger (65 Prozent) den Austausch von Patientendaten zwischen den Akteuren des Gesundheitswesens. Gefragt aber, ob auch ihr behandelnder Arzt Patientendaten via Internet versenden sollte, stimmt nur noch jeder Zweite diesem Vorgehen zu (48 Prozent). 52 Prozent lehnen die elektronische Übermittlung dagegen ab.

Nur eine kleine Minderheit von neun Prozent der Befragten nutzt nach eigenen Angaben bislang Gesundheits-Apps. Diese elektronischen Helfer können beispielsweise an die Medikamenteneinnahme erinnern oder ermöglichen eine Art Tagebuch bei der Erfassung von Krankheitssymptomen. 91 Prozent der Baden-Württemberger haben mit Gesundheits-Apps noch keine Erfahrungen gesammelt. Der Anteil der Nutzer ist bei Frauen mit 13 Prozent mehr als doppelt so hoch wie bei Männern (sechs Prozent).(fst)

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