Das Kreuz mit dem Kreuz: Aut idem bei Epilepsie?

Rabattverträge können Nebenwirkungen haben. Epilepsiepatienten vertragen die Substitute oft nicht gut.

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BERLIN (af). Kein Aut idem bei Patienten mit Epilepsie. Dafür haben am Donnerstag Ärzte und Pharmazeuten in Berlin plädiert. Auslöser des Appells sind Regelungen des Arzneimittelmarktneuordnungsgesetzes (AMNOG), die den Austausch wirkstoffgleicher Arzneimittel zum Jahreswechsel erleichtern. Etwa 700.000 Epileptiker gibt es in Deutschland.

Ärzte sollten alles tun, das Drama von Krampfanfällen zu verhindern, sagte der Kinderarzt Jürgen Bausch. Dazu gehöre zusätzlich zur Diagnose die Aufklärung und Unterweisung in absoluter Therapietreue. Bausch verwies auf die Leitlinien der Fachgesellschaften. Die enthielten die Regel "Keine Therapieänderung bei gut und stabil eingestellten Patienten".

Wenn Ärzte aus Furcht vor Regressen die "heimliche Zwangsumstellung" zuließen, verzichteten sie auf ihre Therapiefreiheit. Der Ehrenvorsitzende der Kassenärztlichen Vereinigung Hessen schloss Umstellungen auf andere Arzneimittel nicht aus.

Sie sollten aber unter strenger ärztlicher Aufsicht erfolgen. Patienten hätten zusätzlich die Möglichkeit, zu einer Krankenkasse ohne Rabattverträge zu wechseln.

"Antiepileptika haben einen Placeboeffekt, der um die 30 Prozent der Wirkung ausmacht", sagte der Pharmazeut Professor Hartmut Morck bei der vom Antiepileptikahersteller Desitin organisierten Pressekonferenz. Eine Umstellung führe zu Rezidiven. Die Leitlinie der Pharmazeutischen Gesellschaft zähle Antiepileptika zu den Wirkstoffen, bei denen eine Substitution kritisch sei.

Die Rate der Patienten, die nach einer Umstellung wieder auf das ursprüngliches Medikament zurückwechseln, ist bei Antiepileptika hoch. Bei den retardierenden Präparaten liege sie bei 44 Prozent, bei den nicht retardierenden bei elf Prozent.

Die durch die Umstellungen ausgelösten Kosten übertreffen nach Einschätzung der Experten bei Antiepileptika die Einsparungen der Kassen durch die Rabattverträge.

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