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Jeder Zweite hält Medikamente für Gift

Eine Umfrage zeigt: Jeder zweite Patient nimmt seine Arzneien nicht korrekt ein. Das hat viele Gründe: generelles Misstrauen gegen Medikamente, aber auch unzureichende Information. Verantwortlich dafür sind auch die Ärzte.

Helmut LaschetVon Helmut Laschet Veröffentlicht:

GÜTERSLOH. Bis zu einem Drittel der GKV-Arzneimittelausgaben - rund zehn Milliarden Euro - entstehen an Kosten im Gesundheitswesen durch Therapieversager, die ihrerseits durch Noncompliance verursacht sind. Die Gründe, warum Patienten sich nicht an ärztliche Verordnung halten, ist nun im Gesundheitsmonitor der Bertelsmann-Stiftung näher untersucht worden.

"Letztlich sind sie Gift."

Auffällig ist eine generell ausgeprägt negative Haltung zur Medikamenten, die in der Aussage gipfelt: "Letztlich sind sie Gift." 53 Prozent der 1778 Befragten stimmten dem zu. Arzneimittel werden als notwendiges Übel empfunden: 82 Prozent sagen "Ich mag Medikamente nicht. Wenn ich ohne sie auskäme, würde ich sie weglassen.

50 bis über 60 Prozent neigen der Auffassung zu, Ärzte vertrauten zu stark auf Arzneimittel und verordneten sie zu häufig. Über drei Viertel hat eine Präferenz für "sanftere" Naturheilmittel.

Andererseits behaupten 97 Prozent, Medikamente so einzunehmen, wie der Arzt sie verordnet, 88 Prozent betonen, genau zu befolgen, was der Arzt rät.

Häufigster Grund: Vergessen

Daran sind aber Zweifel angebracht: Bei jenen drei Vierteln der Befragten, die Arzneimittel in den letzten zwölf Monaten verordnet bekommen hatten, gab es bei jedem Zweiten in irgendeiner Form Noncompliance.

Am häufigsten mit 31 Prozent: Vergessen. An zweiter Stelle mit 17 Prozent Verweigerung oder vorzeitiges Absetzen. Bei zehn Prozent spielten Nebenwirkungen eine Rolle.

Ist die ärztliche Information über Nebenwirkungen und Vorsichtsmaßnahmen bei Arzneien unzureichend, steigt das Risiko zur Noncompliance.

Ist die ärztliche Information über Nebenwirkungen und Vorsichtsmaßnahmen bei Arzneien unzureichend, steigt das Risiko zur Noncompliance.

© photos.com PLUS

Eine wichtige Funktion hat dabei der Arzt. Er gilt als vertrauenswürdigste Quelle für Arzneimittel-Informationen. In der Analyse hat sich gezeigt, dass bei Verweigerern das Risiko von Noncompliance 1,6-mal höher ist, wenn die ärztliche Information unzureichend ist.

Arztinformation zentraler Einflussfaktor für Therapietreue

Bei generell negativer Einstellung zu Arzneimitteln steigt das Risiko auf das 1,9-fache, bei ungünstiger Bewertung des zuletzt verordneten Medikaments auf das Dreifache.

Da nach Auffassung der Monitor-Autoren auch diese beiden letzten Dimensionen durch ärztliche Information beeinflusst werden, lasse sich daraus der Schluss ziehen, dass die Arztinformation ein "ganz zentraler Einflussfaktor für die Therapietreue ist".

Beim Lesen des Beipackzettels wird Verunsicherung zur Realität

Dabei wiederum gibt es offenbar eine Asymmetrie: Ärzte informieren über Indikation und Wirkung, aber weniger über Nebenwirkungen und Vorsichtsmaßnahmen.

Dies geschehe vielfach in guter Absicht, um Patienten nicht zu verunsichern. Aber spätestens beim Lesen des Beipackzettels sei die Verunsicherung dann Realität.

Das passiert bei einem guten Fünftel der Patienten. Andererseits: Bei 90 Prozent der Patienten mit Arzneiverordnungen war das Medikament wirksam, neun Prozent hatten Nebenwirkungen, fünf Prozent fürchteten eine Abhängigkeit.

Lesen Sie dazu auch den Kommentar: Ärzte - ziemlich allein gelassen

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