Ärzte Zeitung, 05.05.2012

Retigabin: GSK verärgert über GBA

Für das Antiepileptikum Retigabin hat der Gemeinsame Bundesausschuss jetzt entschieden: Kein Zusatznutzen zur Vergleichstherapie.

Retigabin: GSK verärgert über GBA

Gewitter im Hirn: Kein Zusatznutzen für Retigabin bei Epilepsie.

© adimas / fotolia.com

BERLIN/MÜNCHEN (HL). Als "unverständlich und inakzeptabel" sieht GlaxoSmithKline das Ergebnis der frühen Nutzenbewertung für Retigabin (Trobalt®).

Der Gemeinsame Bundesausschuss hatte am Donnerstag entschieden, dass es im Vergleich zu der von ihm gewählten Vergleichstherapie mit Lamotrigin und Topiramat keinen Zusatznutzen in der späten Therapie von Patienten mit schwer behandelbarer fokaler Epilepsie hat.

Der Bundesausschuss, der damit die Empfehlung des IQWiG übernommen hat, begründet dies damit, dass das Dossier zur frühen Nutzenbewertung, das GSK eingereicht hat, auf die Vergleichstherapie mit Lacosamid abstellt.

Lacosamid wird ebenfalls regelhaft bei Patienten eingesetzt, wenn andere Antiepileptika versagt haben. In anderen europäischen Ländern sei dies - neben anderen modernen Therapeutika anerkannt worden, argumentiert GSK.

Im Anhörungsverfahren hatte der Hersteller deshalb weitere Daten eingebracht, die auch einen Vergleich mit den vom GBA gewählten Referenzpräparaten ermöglicht hätten.

Strohmeyer: Unbestrittene Behandlungsoption

Dies hat der Bundesausschuss bei seiner aktuellen Entscheidung jedoch nicht in Betracht gezogen. Er verweist nun vielmehr auf die von ihm neu geschaffene Regelung, dass der Hersteller in zwölf Monaten erneut ein Dossier einreichen kann.

Das sei eine von Formalismus geprägte inakzeptable Entscheidung, heißt es bei GSK.

"Für Hunderte von Epilepsie-Patienten, die mit herkömmlichen Medikamenten nicht zufriedenstellend behandelt werden können, stellt Trobalt® unbestritten die letzte Behandlungsoption bei dieser schweren Erkrankung dar", so Professor Thorsten Strohmeyer, Forschungsleiter bei GSK.

Auf der Basis der Entscheidung des GBA müssen nun von Gesetzes wegen Verhandlungen über einen Erstattungsbetrag mit dem GKV-Spitzenverband beginnen.

Da der Bundesausschuss zu dem Schluss gekommen war, dass Trobalt® im Vergleich zur generischen Therapie keinen Zusatznutzen bietet, wird es wahrscheinlich keine Bereitschaft bei den Kassen geben, mehr als den generischen Preis zu zahlen.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

NEU als Themen abonnierbar: Frauengesundheit und Kindergesundheit

Häufiger Anaphylaxie unter Erdnuss-Immuntherapie

Schlechte Nachrichten für Patienten mit Erdnuss-Allergie: Einer Meta-Analyse zufolge traten unter einer oralen Immuntherapie bei Kindern deutlich mehr allergische Reaktionen auf. mehr »

Unterschiedliche Positionen zur Impfpflicht

Im internationalen Vergleich steht Deutschland in Sachen Masern-Impfschutz gar nicht so schlecht da. Ein Grund, sich auszuruhen, ist das nicht, meinen Ärztevertreter. Doch wie weit sollte eine Impfpflicht gehen? mehr »

Honorar für Leichenschau soll mehr als verdoppelt werden

Eine Arztstunde für rund 220 Euro: Gesundheitsminister Jens Spahn plant eine Neubewertung der Leichenschau in der GOÄ ab 2020. Bei den Ärzten stößt er damit auf Gegenliebe. mehr »