Direkt zum Inhaltsbereich

AOK-Bericht

Kinder bekommen seltener Antibiotika verordnet

Antibiotika werden bei Kindern und Jugendlichen zurückhaltender verordnet als vor sechs Jahren. Das zeigt der erste Kinderreport der AOK Nordost. Ein weiteres Ergebnis: Auf dem Land nehmen Allergien zu.

Julia FrischVon Julia Frisch Veröffentlicht:
Im Nordosten bekam 2016 nahezu jedes dritte Kind mindestens ein Antibiotikum verordnet.

Im Nordosten bekam 2016 nahezu jedes dritte Kind mindestens ein Antibiotikum verordnet.

© DenisNata / Fotolia

BERLIN. Kinder und Jugendliche in Brandenburg, Berlin und Mecklenburg-Vorpommern erhalten weniger Antibiotika. Der Verbrauch verringerte sich um fast acht Prozentpunkte zwischen 2010 und 2016.

Im Nordosten der Republik bekamen 29,5 Prozent der Kinder und Jugendlichen im vergangenen Jahr mindestens einmal ein Antibiotikum verordnet, 2010 lag der Anteil noch bei 37,2 Prozent. Das belegt der erste Kinderreport des Gesundheitswissenschaftlichen Instituts der AOK Nordost (GeWINO).

Den stärksten Rückgang beim Antibiotika-Verbrauch verzeichnete Mecklenburg-Vorpommern, das, so heißt es im Report, "zumindest bis ins Jahr 2010 hinein noch als ausgewiesene Hochverbrauchsregion bei der Anwendung von Antibiotika im pädiatrischen Setting galt".

Rückgang um 11,5 Prozent

In der Ostsee-Region verringerte sich der Antibiotika-Anteil um 11,5 Prozentpunkte auf 29,7 Prozent. Am sparsamsten verschrieben übrigens die Ärzte in Brandenburg Antibiotika. Dort betrug der Anteil der Verordnungen für Kinder und Jugendliche knapp 26 Prozent. Berlin lag beim Antibiotikagebrauch knapp hinter Mecklenburg-Vorpommern.

Die Analyse der anonymisierten AOK-Nordost-Routinedaten zeigte auch, dass die Zurückhaltung bei der Verordnung sich auf alle untersuchten Wirkstoffgruppen erstreckte. Als besonders erfreulich bezeichnet es das GeWINO, dass auch für Reserveantibiotika weniger Rezepte ausgestellt wurden.

Bei den Cephalosporinen der dritten Generation zum Beispiel stellte das Institut den relativ (minus 58 Prozent) und absolut (minus 3,5 Prozent) höchsten Rückgang zwischen 2010 und 2016 fest. All das zeige, so die Schlussfolgerung im Report, dass "Antibiotika zurückhaltender und vermutlich auch gezielter" eingesetzt werden.

Für den Kinderreport hat sich das GeWINO auch die Entwicklung von Allergien und Adipositas unter Kindern und Jugendlichen im Nordosten angeschaut. Während zwischen 2010 und 2015 in Mecklenburg-Vorpommern (plus ein Prozent) und Brandenburg (plus 0,2 Prozent) die Zahl der jungen Allergiker auf jeweils 23 Prozent stieg, ging in der Großstadt Berlin der Anteil um immerhin 2,4 Punkte auf knapp 22 Prozent zurück.

Zunahme bei Allergien

"Eine Ursache für diese Zunahme von Allergien in den Flächenländern Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern kann sein, dass Faktoren, die ursprünglich auf dem Land vor einer Allergie wie Heuschnupfen oder Tierhaarallergien schützten, zum Beispiel intensiverer Kontakt mit Allergenen von Tier und Pflanzen, nicht mehr zutreffen", heißt es in dem Report.

Unter den allergischen Erkrankungen im Nordosten war die Neurodermitis mit 11,9 Prozent am häufigsten, gefolgt von Heuschnupfen mit 6,1 Prozent und Asthma mit 5,9 Prozent. Deutlich seltener litten die Kinder und Jugendlichen an einem Kontaktekzem (1,2 Prozent) oder einer Nahrungsmittelallergie (0,7 Prozent).

Der Anteil adipöser Kinder und Jugendlichen blieb in den vergangenen Jahren "nahezu konstant". Ihr Anteil lag 2010 bei 5,8 Prozent, 2015 waren es 5,9 Prozent.

Besonders viele junge Übergewichtige gab es den Daten zufolge in Mecklenburg-Vorpommern: Dort verzeichnete der Kinderreport einen Anstieg adipöser Kinder und Jugendlicher innerhalb von fünf Jahren um 0,7 Punkte auf 7,3 Prozent. In Berlin sank dagegen der Anteil um 0,2 Punkte auf 5,4 Prozent.

Die Analysen im Kinderreport will die AOK Nordost unter anderem als Grundlage nehmen, um bestehende Versorgungskonzepte oder präventive Maßnahmen anzupassen. Im Herbst wird das wissenschaftliche AOK-Institut einen weiteren Kinderreport, dann zu psychogenen Essstörungen, vorlegen.

Ihr Newsletter zum Thema
Mehr zum Thema

Arzneimittelpolitik

AMNOG 2.0 statt nur Version 1.1: Warum Nutzenbewertung und Versorgungspraxis wieder näher zusammenrücken müssen

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: AstraZeneca GmbH

Nutzenbewertung für Orphan Drugs

Erster Test für das EU-HTA-Verfahren: GBA bewertet Tovorafenib

Gemeinsamer Bundesausschuss

Kein Zusatznutzen für Dupilumab bei Urtikaria

Kommentare
Sonderberichte zum Thema
Eine Wissenschaftlerin hält eine rote, transparente Pille in der Hand. Im Vordergrund schwebt eine futuristische wissenschaftliche Benutzeroberfläche mit chemischen Formeln und Forschungsdaten.

© Scanrail / stock.adobe.com

Arzneimittelpolitik

AMNOG 2.0 statt nur Version 1.1: Warum Nutzenbewertung und Versorgungspraxis wieder näher zusammenrücken müssen

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: AstraZeneca GmbH
Holzklötze mit Symbolen für verschiedene Versicherungsarten, dahinter eine Person im weißen Hemd.

© REDPIXEL / stock.adobe.com

Cancer is Changing

Medizinischer Fortschritt: „Zwei von drei Krebspatientinnen leben heute länger als fünf Jahre nach der Diagnose“

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: BeOne Medicines Germany GmbH

Ist das AMNOG bereit für HIV-Innovationen?

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Gilead Sciences GmbH, Martinsried
Vorteile des Logins

Mit unserem kostenloses Login erhalten Ärztinnen und Ärzte, Medizinstudierende sowie Fachkräfte im Gesundheitswesen vollen Zugriff auf unsere medizinischen und praxisrelevanten Inhalte.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Erfahrungsberichte aus ärztlicher Perspektive

DiGADocs: Hausärzte testen Digitale Gesundheitsanwendungen für Kollegen

Klassifikation von Herztönen nach Auskultation

Zusammenarbeit Mensch und KI: Das Vertrauen kann täuschen

Lesetipps
Richterhammer und Klemmbrett

© Andrii / Stock.adobe.com

Interview

EU AI Act: Was die neuen Transparenzpflichten für Praxen bedeuten