Deutschland wählt – Gesundheitspolitik in Nahaufnahme

Internationaler Kampf gegen Antibiotikaresistenzen

Fleiß bescheinigen fast alle Koalitionäre Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU). 28 Gesetze seines Ressorts passierten seit 2013 den Bundestag. Die "Ärzte Zeitung" unterzieht die wichtigsten Eckpunkte einem Haltbarkeitstest. Welche Regelungen greifen, welche bleiben bisher Placebo?

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BERLIN. Der weltweit führenden medizinisch-wissenschaftlichen Publikation "Lancet" war es im Juli anlässlich des G 20-Gipfels in Hamburg eine tief gehende Analyse eines Wissenschaftlerteams wert: Deutschlands wachsendes Engagement bei Global Health.

Nach dem Engagement für Umwelt- und Klimaschutz hat Deutschland vor zehn Jahren begonnen, seine Aktivitäten zur Mitgestaltung einer globalen Gesundheitspolitik systematisch auszubauen. Drei Faktoren werden in dem "Lancet"-Beitrag als ursächlich genannt: das persönliche Engagement von Bundeskanzlerin Angela Merkel, die Nutzung der G 7- und G 20-Formate für die Gesundheitspolitik und schließlich die weltweite Bedrohung durch die verheerende Ebola-Epidemie in Westafrika. Mit der deutschen G 7-Präsidentschaft 2015 kam die Strategie gegen Antibiotikaresistenzen auf die internationale Agenda – konkrete Maßnahmen sind inzwischen eingeleitet.

Die Erklärung der G 7-Gesundheitsministerkonferenz unter deutscher Präsidentschaft ließ an Deutlichkeit nichts zu wünschen übrig: Danach bedrohen Antibiotikaresistenzen die Nachhaltigkeit der Gesundheitssysteme, schwächen die Wirtschaftsleistung und verursachen weltweit etwa 700.000 Todesfälle.

Ein Risiko ist dies vor allem für die bis 600.000 Patienten, die in Deutschland an Nosokomialinfektionen erkranken, die immer schwerer beherrschbar sind. Die Zahl der Todesfälle wird auf 10.000, teilweise deutlich höher geschätzt. Im Rahmen der Deutschen Antibiotika-Resistenzstrategie DART haben das Gesundheits- und Forschungsministerium elf Forschungsschwerpunkte zum Thema "Antibiotikaresistenz, Hygiene und nosokomiale Infektionen" gebildet und Abschlussberichte vorgelegt, deren Ergebnisse nun vor Ort in den Kliniken umgesetzt werden müssen.

  • Auf der nationalen Ebene wurden im Rahmen des im April 2016 abgeschlossenen Pharmadialogs folgende Maßnahmen verabredet:
  • Ausbau der Förderung für neue Therapieansätze und Diagnostika für bakterielle Infektionen durch das Forschungsministerium,
  • Gezielte Information für Ärzte und Patienten in Zusammenarbeit mit der BZgA, der Bundesärztekammer und der KBV,
  • Mehr Spielräume für die Erstattung von Reserveantibiotika.

Aber auch andere Politikfelder, insbesondere die Agrarpolitik sind involviert. Mehr als die Hälfte des Antibiotikaverbrauchs entfällt auf die Tiermast. Eines der wesentlichen Ziele der G 7-Gesundheitsminister ist es daher, dass Antibiotika sowohl in der humanmedizinischen Versorgung als auch in der Tiermedizin nur noch nach einem (tier-) ärztlichen Rezept eingesetzt werden dürfen.

In der internationalen Zusammenarbeit sind unter deutscher G20-Präsidentschaft inzwischen konkrete Schritte vereinbart worden: Zusammen mit anderen Ländern wurden Anfang September gut 56 Millionen Euro für die Global Antibiotic Research and Development Partnership bereitgestellt: für die Entwicklung von Antibiotika gegen sexuell übertragbare Krankheiten, für neue Therapien gegen Neugeborenen-Sepsis, für eine pädiatrische Antibiotika-Plattform und für Forschungsprojekte zur Wiederherstellung des Antibiotika-Gedächtnisses.

Deutschland internationales Engagement wächst. Aber es bleibt an Dynamik und Volumen hinter den Anstrengungen der USA und Großbritanniens noch zurück. Dies ist nicht nur eine Geldfrage, wie die "Lancet"-Autoren feststellen: Auch die Public-Health-Kompetenz ist in Deutschland noch unterentwickelt. (HL)

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