Ärzte Zeitung online, 24.11.2015

Arzneibewertung

Basis will mitreden

Patientenvertreter und Fachgesellschaften fordern mehr Einfluss auf die frühe Nutzenbewertung.

BERLIN. Vor fünf Jahren hat der Gesetzgeber die frühe Nutzenbewertung von neuen Arzneimitteln eingeführt. Seither reklamieren Vertreter der Patienten und der wissenschaftlichen Fachgesellschaften in diesem Prozess mehr Mitspracherechte.

Sehr früh setzen die Forderungen der Selbsthilfegruppen an. Die Patienten sollten bereits am Design und dann an der Auswertung von Studien beteiligt werden, sagte der Vorsitzende der Bundesarbeitsgemeinschaft Selbsthilfe, Dr. Martin Danner.

Die Aufgabe der Patientenvertreter in der Arzneimittelentwicklung könnte sein, die Fragen nach einem Mehr an Lebensqualität gegen den Fokus auf die mediane Überlebenszeit in die Waagschale zu werfen, sagte Danner bei der vom Verband forschender Pharmaunternehmen (vfa) ausgerichteten Veranstaltung "Partizipation als Chance: Stärkere Einbindung von Ärzten und Patienten in der Arzneimittelbewertung?"

Fachgesellschaften fühlen sich nicht gehört

Während die Patientenvertretung Teil des Gemeinsamen Bundesausschusses (GBA) ist, wenn auch ohne Stimmrecht, sind die medizinischen Fachgesellschaften institutionell dort gar nicht beteiligt.

Die Fachgesellschaften würden bei der Auswahl der relevanten Endpunkte nicht gehört, sagte Professor Bernhard Wörmann von der Deutschen Gesellschaft für Hämatologie und Onkologie (DGHO). Zudem gebe es für die Gesellschaften keine Instrumente, die Gewichtung der Endpunkte zu beeinflussen. Sie hätten lediglich die Möglichkeit, über Stellungnahmen Einfluss auf die Nutzenbewertung zu nehmen, sagte Wörmann.

An 77 der bislang 144 Verfahren hätten sich die Fachgesellschaften auf diese Weise beteiligt. Die Arzneimittelkommission der Ärzte habe 41 Stellungnahmen abgegeben.

Die Hauptkritik der wissenschaftlichen Fachgesellschaften setze an den zweckmäßigen Vergleichstherapien (zVT) an, sagte Wörmann. Nahezu jede dritte zVT entspreche nicht dem Standard der medizinischen Praxis oder tauche nicht einmal mehr in Leitlinien auf.

Für eine Gewichtung der Entscheidungskriterien in der frühen Nutzenbewertung sprach sich auch der Gesundheitsökonom Professor Axel Mühlbacher aus. "Die Annahme, dass alle vorliegenden Entscheidungskriterien in der Nutzenbewertung gleich viel wert sind, ist schlicht Humbug", sagte Mühlbacher. (af)

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