Ärzte Zeitung, 29.09.2014

Baden-Württemberg

Gemeindetag will Recht auf Hausarztsitz

Jede eigenständige Gemeinde soll über einen Hausarztsitz verfügen, es gebe primär ein Verteilungsproblem, so der Gemeindetag.

STUTTGART. Der baden-württembergische Gemeindetag hat sich für einen Rechtsanspruch auf einen Hausarztsitz in jeder eigenständigen Gemeinde ausgesprochen.

"Schon heute gibt es in 172 Städten und Gemeinden in Baden-Württemberg keinen niedergelassenen Hausarzt mehr", sagte Gemeindetags-Präsident Roger Kehle.

In 198 weiteren Städten und Gemeinden beträgt der Versorgungsgrad nach seinen Angaben weniger als 75 Prozent, sodass auf dem Land die hausärztliche Versorgung "zunehmend problematisch" werde.

Der Gemeindetag verwies auf Prognosen der Landes-KV, nach denen in den kommenden Jahren 500 bis 1000 Hausarztpraxen verloren gehen könnten.

Angesichts der steigenden Lebenserwartung sei die hausärztliche Versorgung ein entscheidender Standortfaktor", so der Gemeindetag.

Ein Hausarzt pro 1500 Einwohner

KV und Krankenkassen wurden aufgefordert, die Planungsbereiche für Hausarztsitze kleinräumig mit Blick auf einzelne Städte und Gemeinden festzulegen. Diese Option sei in der Richtlinie zur Bedarfsplanung ausdrücklich vorgesehen.

Angesichts der - rechnerischen - Relation von einem Hausarzt auf 1500 Einwohner im Südwesten handele es sich "in erster Linie" um ein Verteilungsproblem, glaubt der Gemeindetag.

Setze man "politischen Gestaltungswillen" voraus, sei mit dieser Zahl an Hausärzten "sehr wohl eine flächendeckende Versorgung in Städten und Gemeinden möglich."

Nach Angaben der KV sind 30 Prozent der Hausärzte, das sind knapp 2400, über 60 Jahre alt. Das Durchschnittsalter in der Fachgruppe beläuft sich auf 55,2 Jahre, heißt es im jüngsten KV-Versorgungsbericht.

Die 2012 leicht gestiegene Zahl an Hausärzten verleitet zu falschen Annahmen: Neu in die Versorgung kommende junge Ärzte arbeiteten oft nur in Teilzeit, die tatsächlichen Behandlungskapazitäten sänken somit. (fst)

Lesen Sie dazu auch den Kommentar:
Kommentar zur Bedarfsplanung: Paragrafenreiten hilft nicht

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