Ärzte Zeitung, 20.03.2009

Wer will als Hausarzt im Vogelsberg arbeiten?

Ein hessischer Landrat macht mobil: Der Vogelsbergkreis soll für Ärzte wieder attraktiv werden.

Von Sabine Schiner

Die Burg in Schlitz liegt im Landkreis Vogelsberg. Der Kreis hat die niedrigste Bevölkerungsdichte in Hessen.

Foto: imago

FRANKFURT. "Es gibt Ärzte, die in Ruhestand gehen wollen, und keinen Nachfolger finden", sagt CDU-Politiker Rudolf Marx im Gespräch mit der "Ärzte Zeitung". Die Erlöse vieler niedergelassenen Haus- und Fachärzte deckten die laufenden Praxiskosten nicht mehr. "Dabei müssen doch ganze Familien vom Arzteinkommen leben", sagt Marx. Die Folge: Eine Niederlassung werde immer unattraktiver, viele Praxen stünden leer.

Der Vogelsbergkreis mit seinen 1460 Quadratkilometern liegt zwischen Frankfurt/Main und Kassel und gehört zum Regierungsbezirk Gießen. Die Region hat die dünnste Besiedelungsrate in ganz Hessen. Auf einen Quadratkilometer kommen 80 Einwohner. Zum Vergleich: In Hessen gibt es im Schnitt 280 Einwohner auf einem Quadratkilometer. Im Vogelsbergkreis leben und arbeiten derzeit mehr als 150 niedergelassene Ärzte - darunter sind 66 Hausärzte.

Die Versorgung in der ländlichen Region soll künftig durch Kooperationen gesichert werden. "In welcher Form, das ist allerdings noch offen", erzählt der Landrat. Bereits im vergangenen Jahr hatte er das Thema "Ärztliche Versorgung im ländlichen Raum" mehrfach in den Gremien des Hessischen Landkreistages diskutiert. Vor kurzem gab es erste Gespräche mit diesem kommunalen Spitzenverband und der KV Hessen.

"Wenn die Versorgung nicht mehr sichergestellt ist, muss notfalls der Staat eingreifen." Rudolf Marx (CDU) Landrat im Vogelsbergkreis

Politiker und Ärztevertreter sind sich über den Ärztemangel einig. Nun soll geklärt werden, wie durch eine engere Verknüpfung von stationärem und ambulantem Bereich und durch gemeinsame Initiativen von KV und Land mehr Ärzte für eine Niederlassung gewonnen werden können. "Das Zusammenspiel zwischen Kliniken und Praxen muss besser funktionieren", sagt Marx.

Als nächsten Schritt wollen der Hessische Landkreistag und KV bis zur Jahresmitte 2009 eine schriftliche Kooperationsvereinbarung schließen. "Darin sollen die Aktivitäten zur Sicherung der ärztlichen Versorgung festgelegt werden", heißt es beim Gesundheitsausschuss des Hessischen Landkreistages in Bad Hersfeld.

Marx will sich für eine Bundesratsinitiative einsetzen, die die verstärkte Ansiedelung von Ärzten erleichtern soll. Hintergrund: Von den 66 Hausärzten im Vogelsbergkreis werden voraussichtlich in den nächsten fünf Jahren 15 in den Ruhestand gehen. Dies, so Marx, könne man nicht einfach so "laufen lassen". Bei freien Berufen gelte zwar das Gesetz von Angebot und Nachfrage. "Wenn jedoch die Versorgung nicht mehr sicher gestellt ist, muss notfalls der Staat eingreifen." Eine gute ärztliche Versorgung sei Bestandteil einer "gelungenen Demografiepolitik."

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