Ärzte Zeitung, 11.05.2009

"Compliance bei unseren Mitgliedern ist besser"

Professor Erika Gromnica-Ihle, Rheumatologin im Ruhestand, ist seit Anfang des Jahres Präsidentin der bundesweit größten Selbsthilfevereinigung: der Deutschen Rheuma-Liga (DRL). Für die "Ärzte Zeitung" zieht sie eine erste Bilanz.

"Compliance bei unseren Mitgliedern ist besser"

Erika Gromnica-Ihle

Ausbildung: 1958-1964 Ausbildung an der HumboldtUniversität Berlin; 1964 Approbation und Promotion; 1982 Habilitation

Beruf: Medizinische Klinik der Charité, ab 1979 als Oberärztin, ab 1989 Professorin für Innere Medizin, Berlin

Ämter: 2005-06 Generalsekretärin der Deutschen Gesellschaft für Rheumatologie

Foto: Deutsche Rheuma-Liga

Ärzte Zeitung: Frau Professor Gromnica-Ihle, Sie haben bei Amtsantritt betont, dass Sie Gräben zwischen Arzt und Patient zuschütten möchten. Gibt es schon erste Erfolge?

Professor Erika Gromnica-Ihle: Ich denke schon. Die Rheuma-Liga und die Deutsche Gesellschaft für Rheumatologie bereiten gemeinsam Patientenschulungen, Info-Materialien und Patienten-Informationstage vor, die im Rahmen der rheumatologischen und jetzt auch der orthopädischen Fachkongresse stattfinden. Außerdem aktualisieren wir gerade, auch mit Unterstützung ärztlicher Experten, den "Aktionsplan Rheuma", der die Forderungen der Patienten an die Politik zusammenfasst. Andererseits unterstützt die DRL die Forderung der Ärzte nach Erhalt der Lehrstühle für Rheumatologie.

Ärzte Zeitung: Mit der neuen Honorarordnung verlieren gerade viele Fachärzte an Honorar. Gibt es auch Rheumatologen, die nur gegen Vorkasse behandeln?

Gromnica-Ihle: Mir ist kein solcher Fall bekannt. Allerdings kündigen manche Rheumatologen an, dass die qualitätsgerechte Betreuung der Patienten gefährdet ist.

Ärzte Zeitung: Wo steht dabei der Hausarzt? Werden fachärztliche Aufgaben auf ihn verlagert?

Gromnica-Ihle: Nein, die Schnittstelle zwischen Hausarzt und Rheumatologe ist klar definiert, daran haben rheumatologische und hausärztliche Interessenverbände mitgearbeitet. Es ist wichtig, dass Hausärzte Patienten mit Rheumatoider Arthritis früh entdecken und überweisen und später die Labor-Kontrolle übernehmen.

Ärzte Zeitung: Was kann aber ein Hausarzt tun, dessen Patienten sechs Monate auf einen Termin beim Rheumatologen warten müssen?

Gromnica-Ihle: Es gibt in der Tat nur etwa halb so viele Rheumatologen, wie nötig wären. Für Patienten mit Verdacht auf entzündlich-rheumatische Erkrankungen gibt es aber die Früharthritis-Sprechstunden. Der Hausarzt sollte die nächstgelegene kennen. Die Überweisungsmodalitäten sind unterschiedlich und manchmal etwas umständlich; oft kann ein Telefonat zwischen den Ärzten die Vorgänge beschleunigen.

Ärzte Zeitung: Können Ärzte ihre Rheumapatienten an die DRL verweisen, wenn diese Probleme mit Zuzahlungen und Reha haben?

Gromnica-Ihle: Ja, es ist ureigenste Aufgabe der Selbsthilfeverbände, Patienten bei solchen Problemen zu unterstützen. Die Rheuma-Liga ist in allen krankheitsbezogenen Fragen erster Ansprechpartner für Patienten mit rheumatischen Erkrankungen. Dafür gibt es auch unsere Hotline 01804/600 000.

Ärzte Zeitung: Etwa jeder 30. Rheumatiker ist DRL-Mitglied. Was darf der Arzt von informierten und engagierten Patienten erwarten?

Gromnica-Ihle: Sie treffen Therapieentscheidungen partnerschaftlich mit ihrem Arzt und setzen sie dann auch um; ihre Compliance ist einfach besser. Darüber hinaus nehmen sie auch kollektive Verantwortung wahr: Sie helfen Forderungen zu formulieren und Initiativen anzuschieben, die auch den übrigen Rheumatikern und teils den Ärzten zugutekommen.

Das Interview führte Simone Reisdorf.

Erika Gromnica-Ihle

Ausbildung: 1958-1964 Ausbildung an der HumboldtUniversität Berlin; 1964 Approbation und Promotion; 1982 Habilitation

Beruf: Medizinische Klinik der Charité, ab 1979 als Oberärztin, ab 1989 Professorin für Innere Medizin, Berlin

Ämter: 2005-06 Generalsekretärin der Deutschen Gesellschaft für Rheumatologie

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