Ärzte Zeitung, 15.03.2012

Weniger Honorar für die meisten Hausärzte in 2010

BERLIN (HL). Mit Ausnahme von Mecklenburg-Vorpommern, Thüringen und Sachsen haben Hausärzte in allen KVen 2010 je Praxis von ihrer KV ein geringeres Honorar erhalten.

Im Bundesdurchschnitt sank das Honorar je Hausarztpraxis um vier Prozent auf 177.602 Euro, wie aus Daten des Bewertungsausschusses von KBV und Kassen hervorgeht. Dies geht allerdings mit einer um 4,5 Prozent gesunkenen Fallzahl einher.

Eine wichtige Ursache dafür sind die als Selektivverträge abgeschlossenen Hausarztverträge. So stieg das Bereinigungsvolumen der KV-Gesamtvergütung in Baden-Württemberg um 86 Prozent auf 158 Millionen Euro. In Bayern erhöhte sich das Bereinigungsvolumen sogar um 106 Prozent auf 550 Millionen Euro.

Dies erklärt, warum in diesen beiden KVen die Hausärzte beim KV-Honorar kräftig verloren haben: in Bayern 19 Prozent und in Baden-Württemberg fünf Prozent.

Entsprechend sanken auch die Fallzahlen der Hausärzte in diesen KVen: in Bayern um 17 Prozent, in Baden-Württemberg um 8,6 Prozent.

KV-Honorarverluste haben - auch wenn man leicht rückläufige Fallzahlen berücksichtigt - Hausärzte in den KVen Hamburg, Niedersachsen und Nordrhein.

Topics
Schlagworte
Berufspolitik (17883)
Organisationen
KBV (6717)
[16.03.2012, 10:46:39]
Dr. Jürgen Schmidt 
Nichts genaues weiß man nicht
Ob das Durchschnitts(!)Honorar wirklich gesunken ist, kann aus den veröffentlichten Zahlen gar nicht mit Sicherheit geschlossen werden. Denn der gesunkenen über die KVen verteilten Gesamtvergütung für Hausärzte stehen Mehreinnahmen aus Selektivverträgen gegenüber.
Die Gesamtsummen verteilen sich aber auf regional unterschiedlich gestiegene Arztzahlen.

Wesentlich bei dem vorliegend nicht ganz vollständig wiedergegebenen Zahlenwerk zur Honorarsituation der deutschen Vertragsärzte erscheint jedoch, dass die durchschnittlichen Honorare der Fachärzte nicht wesentlich über denen der Hausärzte liegen, der Praxiskostenanteil der Fachärzte in der Regel jedoch erheblich höher liegt, so dass nach weiterem Abzug der üblichen Positionen das verfügbare durchschnittliche Einkommen der Fachärzte deutlich unter dem der Hausärzte liegen dürfte.
Auch das ist aber nur die halbe Wahrheit, denn in die Durchschnittsberechnungen gehen umsatzschwache Praxen ein, die mit der Bezeichnung Hobbypraxen nur unzureichend differenziert sind.
Die KVen erstellen Honorarverteilungskurven, aus denen Mittelwert, Medianwert und deutlich nach oben und unten abweichende Umsätze innerhalb der Fachgruppen ermittelt werden können. Daraus lässt sich die Honorarsituation der Versorgerpraxen ermitteln. Die Ärztezeitung sollte sich bemühen, diese aus den Giftschränken zu holen. zum Beitrag »
[15.03.2012, 18:50:22]
Dr. Thomas Georg Schätzler 
KV-U m s a t z honorar der Hausärzte/-innen!
Dazu kann man nicht früh und deutlich genug betonen, dass sich der Rückgang um vier Prozent auf 177.602 Euro je Hausarztpraxis im Jahr 2010 auf den P r a x i s u m s a t z und n i c h t auf einen zu versteuernden persönlichen Gewinn des/r Hausarztes/-ärztin beziehen. Sämtliche Praxiskosten für Personal und Logistik, aber auch Rückstellungen für Erhalt, Renovierung und Neuanschaffungen bzw. 100 Prozent der Krankenversicherung, Risiko- und Altersvorsorge gehen bei Selbstständigen davon noch ab.

Man spürt es förmlich, das nervöse Vibrieren beim GKV-Spitzenverband, bei manchen Medien und politischen Interessenvertretungen, mal eben demagogisch Umsatz und Gewinn bei der professionellen Selbstständigkeit verwechseln zu wollen. Vgl.:
http://www.aerztezeitung.de/politik_gesellschaft/article/604485/operation-neidhammel-kassen-vorspiel-spar-klausur-des-bundeskabinetts.html?sh=13&h=1249442320

Auch BÄK, KBV und manche KVen waren in der Vergangenheit nicht vor diesen "populären Irrtümern" gefeit. Auf betriebswirtschaftlichen "Spitzfindigkeiten", dass ein Umsatzrückgang überproportional den möglichen Überschuss reduzieren könnte, will ich hier gar nicht herumreiten.

Aber ich bin gespannt darauf, wie die Hausärztesituation von interessierten Kreisen in den nächsten Tagen wieder spekulativ benutzt wird, unsere fachspezifische Situation schön zu rechnen, um die von uns geleistete medizinische, präventive und sozialpsychologische Versorgungsarbeit zu relativieren.

Mf+kG, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM (z. Zt. Mauterndorf/A)
 zum Beitrag »

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Tumorpatienten bei Schmerztherapie unterversorgt

Viele Krebskranke erhalten keine adäquate Schmerztherapie. Das hat eine erste Analyse der Online-Befragung "PraxisUmfrage Tumorschmerz" ergeben. mehr »

ADHS-Arznei lindert Apathie bei Alzheimer

Eine Therapie mit Methylphenidat kann die Apathie bei Männern mit leichter Alzheimerdemenz deutlich zurückdrängen. mehr »

Zehn Jahre "jünger" durch Sport

Wer Sport treibt, ist motorisch gesehen im Schnitt zehn Jahre jünger als ein Bewegungsmuffel. mehr »