Ärzte Zeitung, 10.10.2012

Neuer Job

Der Arzt als Antibiotika-Beauftragter

Angesichts steigender Resistenzen sollen Niedersachsens Ärzte in einem Fünf-Punkte-Plan zu "Antibiotika-Beauftragten" werden. Mediziner und Apotheker sollen Patienten und Kliniken beraten. Zusätzlich gibt ARMIN Auskunft über die Resistenzlage im Land.

Von Christian Beneker

Neuer Job für Ärzte: Antibiotika-Beauftragte

Unter der Lupe: Antibiotikaverbrauch und Resistenzentwicklungen in Niedersachsen.

© Schlierner / fotolia.com

HANNOVER. Niedersachsen will Ärzte zu Antibiotika-Beauftragten schulen. Mit einem Fünf-Punkte-Plan will die niedersächsische Gesundheitsministerin Aygül Özkan (CDU) Antibiotika-Resistenzen eindämmen. "Antibiotika müssen wirksam bleiben", sagte Özkan bei der Präsentation des Planes am 8. Oktober in Hannover. "Wir wollen nun erreichen, dass Ärzte, aber auch Patienten, besser über Antibiotika informiert werden."

So soll das Niedersächsische Landesgesundheitsamt (NLGA), die Ärztekammer Niedersachsen (ÄKN) und ein Expertennetz ab 2013 Apotheker und Ärzte zu Antibiotikabeauftragten qualifizieren, die ihrerseits Krankenhäuser beraten sollen. Eine Antibiotika-Fibel gibt niedergelassenen Ärzten "praxisnahe Tipps für eine zurückhaltende Antibiotikatherapie", wie es hieß.

Informationsoffensive online für Patienten

Eine "Informationsoffensive" soll Patienten und Eltern via Praxis und Apotheke über die Wirkung von Antibiotika aufklären. Gleiches gilt für die Website www.antibiotikastrategie.niedersachsen.de. Das Programm "ARMIN" (Antibiotika-Resistenz-Monitoring in Niedersachsen) bietet Ärzten und Bürgern Informationen zur Resistenzlage in Niedersachsen.

"Dadurch besteht eine Grundlage für die Beratung zur Antibiotika-Therapie sowie die Möglichkeit, Entwicklungen über die Zeit zu beobachten und somit die Maßnahmen indirekt zu evaluieren", hieß es.

ARMIN dokumentiert die Resistenzentwicklung ausgewählter Infektionserreger in Niedersachsen sowohl in Krankenhäusern als auch im niedergelassenen Bereich. Damit sei "ARMIN bundesweit eines der ersten Überwachungssysteme zur Antibiotikaresistenz, das eine umfassende Datenbasis liefert."

Mit ARMIN wurden außerdem erstmals systematisch Resistenzdaten auf einer regional kleinräumigen Ebene erhoben. Inzwischen konnten elf Labore gewonnen werden, die ihre Ergebnisse der mikrobiologischen Untersuchungen für Niedersachsen und Bremen zur Verfügung stellen, so die Landesregierung.

Auch Ärzte machen bei ARMIN mit

Auch die Ärzteschaft beteiligt sich an der Initiative. "Zum einen liegt die Verantwortung für die Verordnung von Antibiotika grundsätzlich bei uns Ärzten", betont Dr. Gisbert Voigt, Vizepräsident der ÄKN. "Somit gilt es in jedem Fall, die Verordnung kritisch zu hinterfragen, unabhängig davon, ob dies im ambulanten oder stationären Bereich geschieht. Die Ärztekammer Niedersachsen wird sich durch intensive Fortbildungsmaßnahmen diesem Thema stellen."

Voigt mahnte aber auch den sparsameren Antibiotikaverbrauch in der Tiermast an. "Angesichts zunehmender Resistenzen, hoher Kosten für aufwändige Behandlungen und einer steigenden Anzahl tödlich verlaufender Infektionen ist dieses ein wesentliches Anliegen der aktuellen Gesundheitspolitik", sagte Voigt.

Fünf-Punkte-Plan ist Teil der Hygiene-Initiative

Mit dem Fünf-Punkte-Plan setzt Niedersachsen seine Hygiene-Initiativen fort. So hat das Land im März dieses Jahres durch eine Hygieneverordnung die Verantwortung für die Sauberkeit von Kliniken "zur Chefsache der jeweiligen medizinischen Einrichtung gemacht", wie es hieß.

Darüber hinaus ist auf Landesebene ein Expertengremium gegründet worden, das überregionale Strategien abstimme. Entsprechende Netze wurden auch auf kommunaler Ebene gegründet.

Schließlich koordiniert das niedersächsische Landesgesundheitsamt das EU-Projekt ‚EurSafety Health-net Euregionales Netzwerk für Patientensicherheit und Infektionsschutz', an dem außer Niedersachsen auch Nordrhein-Westfalen und die Niederlande teilnehmen.

Lesen Sie dazu auch den Kommentar:
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