Ärzte Zeitung, 13.11.2012

Verah

Hoch gelobt, schlecht bezahlt

Versorgungsassistentinnen können Hausärzte etwa von Hausbesuchen entlasten. Dafür wollen viele Ärzte ihnen aber nicht mehr bezahlen.

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Dr. Hans-Michael Mühlenfeld, Deutscher Hausärzteverband.

© Beneker

BAD ORB (ras). Der Einsatz der "Versorgungsassistentin in der Hausarztpraxis" (VERAH) wird immer wichtiger, um das Versorgungsproblemeiner älter werdenden Gesellschaft in der Hausarztpraxis lösen zu können.

Davon ist Dr. Hans-Michael Mühlenfeld, Vorsitzender des Instituts für hausärztliche Fortbildung (IhF) im Deutschen Hausärzteverband überzeugt.

Der große Vorteil der VERAHs sei es, dass sie aus der Praxis heraus für die Bedürfnisse eines Hausarztes entstanden ist, um ihn zu entlasten.

Im Januar 2013 wird voraussichtlich die 4000. Medizinische Fachangestellte das strukturierte Curriculum zur VERAH erfolgreich durchlaufen haben, sagte Mühlenfeld der "Ärzte Zeitung" bei der practica 2012 in Bad Orb.

Diese hohe Anzahl an Abschlüssen sowie die feste Anbindung der VERAH an den Hausarzt garantiert für Eberhard Mehl, Hauptgeschäftsführer des Hausärzteverbandes, dass die Akzeptanz bei Patienten und Ärzten gleichermaßen groß ist.

Ärzte scheuen höheres Honorar

Je mehr VERAHs in der Praxis arbeiteten, desto größer sei deren Frequenz, um den Arzt zeitmäßig und qualitativ gleichwertig entlasten zu können. Für genauso unstrittig hält es Mehl, diesen Einsatz der VERAH finanziell zu vergüten.

Wer bereit ist, mehr Verantwortung in der Praxis und bei Hausbesuchen zu übernehmen, müsse dies in jedem Fall honoriert bekommen.

In der Praxis scheint aber genau das noch das große Manko zu sein. So berichteten viele VERAHs bei der practica, in der Praxis nicht als VERAH eingesetzt zu werden, weil viele Hausärzte offenbar kein höheres Honorar bezahlen wollen.

Einige Allgemeinärzte bestätigten, dass ihnen der Einsatz der VERAH in ihrer Praxis - trotz der oft von ihnen getragenen Ausbildungskosten - letztlich zu teuer sei.

Weitere Einsatzfelder denkbar

Mühlenfeld und Mehl wollen dies nicht weiter hinnehmen: Eine finanzielle Besserstellung einer engagierten und erfahrenen VERAH um zumindest eine Tarifstufe (entspricht rund 180 Euro pro Monat) sei ein Gebot, das kein Hausarzt ausschlagen sollte.

Dafür werde sich der Hausärzteverband starkmachen, zumal mit VERAH-Plus auch weitere Einsatzfelder (Schulungen zur Selbstmessung, Palliativ Care) vorgesehen sind.

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