Ärzte Zeitung, 07.05.2013
 

Streit ums Honorar

Morbidität sorgt für Stillstand

kv-westfalen-L.jpg

Bei den Verhandlungen ums Honorar in Westfalen-Lippe treten Kassen und KV weiter auf der Stelle. Obwohl sich beide gesprächsbereit geben, herrscht Stillstand - zur Enttäuschung von Gesundheitsminister Bahr.

Von Ilse Schlingensiepen

KÖLN. In Westfalen-Lippe gestalten sich die Honorarverhandlungen zwischen der Kassenärztlichen Vereinigung (KVWL) und den Krankenkassen weiter schwierig. Zwar sind beide Seiten gesprächsbereit, die Positionen aber konträr.

Kernpunkt der Auseinandersetzung ist und bleibt die von der KVWL angestrebte Anhebung der Honorarbasis, um die zu versorgende Morbidität abzubilden. Dem Versuch, auf diesem Weg doch noch die Konvergenz zu erreichen, hatte Schiedsmann Dr. Jürgen Burghardt eine klare Absage erteilt.

Er hatte KV und Kassen aufgefordert, jetzt zügig über das Vergütungsvolumen für 2013 zu verhandeln.

Damit tun sie sich schwer - auch zur Enttäuschung von Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr. Schließlich gebe es bereits Verträge oder Schiedsamtsentscheidungen, die die neuen gesetzlichen Möglichkeiten nutzen, sagt er der "Ärzte Zeitung".

Bahr verweist auf Nordrhein,Sachsen und Sachsen-Anhalt. "Mit dem Versorgungsstrukturgesetz haben wir bewusst die regionalen Vertragsparteien gestärkt, damit sie den regional notwendigen Behandlungsbedarf, der die Höhe der morbiditätsorientierten Gesamtvergütung bestimmt, eigenverantwortlich jährlich anpassen", betont Bahr, der aus Westfalen kommt.

Wer hat den schwarzen Peter?

Genau den gewünschten Morbiditätsbezug würden die Kassen nach wie vor verweigern, kritisiert KVWL-Vize Dr. Gerhard Nordmann. Die bisherigen Angebote lägen deutlich unter den Ergebnissen in anderen KVen, sie seien unzulänglich und nicht annehmbar.

"Das würde uns in Westfalen-Lippe noch weiter abkoppeln, das kann ich nicht akzeptieren", sagt Nordmann. Er setzt auf weitere Verhandlungen, will aber gleichzeitig das Gespräch mit der Politik suchen. "Die Krankenkassen konterkarieren das Gesetz."

Für Martin Litsch, Vorstandschef der AOK Nordwest und Verhandlungsführer der Kassen, ist genau das Gegenteil der Fall. Nach dem Schiedsspruch sei klar, dass es keine Basisbereinigung geben kann, betont er.

Die Kassen seien bereit, über den regionalen Anpassungsbedarf zu verhandeln. "Wenn es rational begründbar ist, können wir über den Beschluss des Bewertungsausschusses hinausgehen", sagt Litsch.

"Ich glaube, dass wir schnell zu einem Ergebnis kommen, wenn das Thema Basiskorrektur nicht immer wieder neu ausgepackt wird."

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Gegen Husten taugen Medikamente wenig

Abwarten und Tee trinken, mehr wollen US-Experten gegen erkältungsbedingten Husten nicht empfehlen. Allenfalls etwas Honig bei Kindern halten sie noch für geeignet. mehr »

Erst krebskrank, dann Hypertoniker

Überlebende von Krebserkrankungen in der Kindheit tragen ein erhöhtes Hypertonierisiko: Im Alter von 50 Jahren sind 70 Prozent betroffen. mehr »

Macht das Stadtleben krank?

Stadtluft kann Schizophrenie begünstigen, glauben Wissenschaftler. Ein Chefarzt der Charité fordert deshalb eine Public-Mental-Health-Strategie für urbane Räume. mehr »