Ärzte Zeitung, 01.12.2014
 

Brandenburg

Geliebter Bereitschaftsdienst, gehasster Bereitschaftsdienst

Die Mehrheit der Brandenburger Ärzte ist bereit, für die Entlastung vom Bereitschaftsdienst zu bezahlen. Die KV sieht sich in ihrer Reformpolitik bestätigt.

Von Angela Mißlbeck

Geliebter Bereitschaftsdienst,

Der Bereitschaftsdienst ist bei vielen Ärzten in Brandenburg unbeliebt. An einer weiteren Reform sind sie aber interessiert.

© Michael Reichel / Dpa

POTSDAM. Der Bereitschaftsdienst ist bei den Ärzten in Brandenburg nicht besonders beliebt. Bei einer Umfrage der KV des Landes (KVBB) erklärten knapp 60 Prozent der Ärzte, dass sie bereit wären, für eine Befreiung von den Nacht- und Wochenend-Diensten zu zahlen. Etwa 40 Prozent würden die Dienste freiwillig weitermachen.

An der Umfrage, die Ende August stattfand, nahm etwa die Hälfte der Ärzte in Brandenburg teil. Über die Ergebnisse berichtete der für Sicherstellung zuständige Hausarzt im KVBB-Vorstand Andreas Schwark bei der Vertreterversammlung Ende November.

Allzu viel Geld ist den märkischen Ärzten die Befreiung vom Bereitschaftsdienst aber nicht wert. Auf einer Skala von 0 bis 5000 Euro gaben die meisten an, dass sie bis zu 300 Euro dafür zahlen würden, immerhin 135 Ärzte fanden aber auch 400 bis 500 Euro noch vertretbar.

Flexible Bereitschaftsdienst-Bezirke

Die KVBB hat bei der Umfrage auch erhoben, wie der Bereitschaftsdienst künftig gestaltet werden soll. "Hohe Akzeptanz finden eine Weiterentwicklung des Bereitschaftsdienstes in Form einer Kooperation mit anderen im Rettungswesen, aber auch ein Onlineportal und flexible Bereitschaftsdienst-Bezirke", fasst Schwark die Ergebnisse zusammen.

Auch den Ausbau der KV RegioMed-Bereitschaftsdienstpraxen an Krankenhäusern haben die Ärzte nach seinen Angaben positiv bewertet. Keine Akzeptanz habe es dagegen für eine Vergrößerung der Bezirke gegeben.

Für die Bereitschaftsdienstpraxen zog Schwark ein positives Fazit. Sie sind aus seiner Sicht zwar keine Lösung für ländliche Regionen mit großen Entfernungen zum nächsten Krankenhaus, aber: "Die städtischen Bereiche haben wir damit schon recht gut erfasst", sagte er.

Bei der Bereitschaftsdienstpraxis in Cottbus habe die KVBB die Erfahrung gemacht, dass der Fahrdienst weniger beansprucht werde, so Schwark. Der Vorstand der KVBB analysiert nach Schwarks Angaben derzeit Möglichkeiten, wie Ärzte in ländlichen Gebieten im Bereitschaftsdienst weiter entlastet werden können.

Onlineportal ermöglicht Diensttausch

Angestrebt sei ein Beschluss über die Einrichtung eines Onlineportals, das unter anderem den Tausch von Diensten ermöglichen könnte.

Schwark schlug vor, dass die Dienstbezirke je nach Tageszeit unterschiedlich groß gestaltet werden könnten. Weil in der Nacht kaum Diensteinsätze nötig sind, könnten dann Bezirke zusammengefasst werden. Das müsste aus seiner Sicht mit einer Flexibilisierung der Dienstpauschalen verbunden werden.

Für die vor 15 Monaten gestartete Kooperation von Bereitschaftsdienst und Rettungsdienst in einigen Bezirken des Landkreises Märkisch-Oderland zog Schwark ebenfalls ein positives Fazit. "Nach Anfangsschwierigkeiten haben wir nun vor Ort eine hohe Akzeptanz bei den Kollegen", sagte er. Alle, die vorher im Bereitschaftsdienst tätig waren, seien weiterhin aktiv.

Auch vom Kooperationspartner gebe es positives Feedback. Patientenbeschwerden habe es seit einem Jahr nicht gegeben.

Auch die anfänglichen Bedenken, dass Rettungsfristen überschritten werden, wenn der Rettungsdienst zusätzlich Bereitschaftsdiensteinsätze fährt, betrachtet Schwark als widerlegt. "In eineinviertel Jahren gab es nicht einen Fall, in dem aufgrund der Kooperation Rettungsfristen nicht eingehalten wurden."

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