Ärzte Zeitung, 24.03.2015
 

Honorar

Psychotherapeuten fühlen sich benachteiligt

Die Deutsche Psychotherapeuten-Vereinigung (DPtV) fordert, die Honorarverteilung neu zu fassen. Die Ungleichbehandlung zwischen somatisch tätigen Ärzten und Psychotherapeuten sei verfassungswidrig.

BERLIN. Die Deutsche PsychotherapeutenVereinigung (DPtV) fordert eine Neufassung der Vergütungen zur Psychotherapie. Dazu verweist der Verband auf ein von ihm in Auftrag gegebenes Gutachten von Professor Ingwer Ebsen.

Darin kommt der frühere Lehrstuhlinhaber für Öffentliches Recht und Sozialrecht an der Universität Frankfurt zu dem Ergebnis, die Ungleichbehandlung zwischen somatisch tätigen Ärzten und Psychotherapeuten sei nicht verfassungskonform.

Die DPtV-Bundesvorsitzende Barbara Lubisch sagte, ihre Berufsgruppe werde "die fortbestehende Ungleichbehandlung nicht hinnehmen". Der Verband forderte den Gesetzgeber auf, zu "verfassungsgemäßen, eindeutigen Regeln zu kommen".

Somatisch tätige Ärzte könnten ihre Leistungen je Zeiteinheit verdichten und "damit ihren Gewinn steigern". Von derartigen Einkommenssteigerungen seien hingegen Psychotherapeuten wegen der strikten Zeitbindung ihrer Honorare ausgeschlossen.

"Angemessene" Vergütung bietet viel Spielraum

Die seit dem Jahr 2000 bestehende gesetzliche Vorschrift, dass Psychotherapie "angemessen" vergütet sein müsse, gebe dem Bewertungsausschuss "zu viel Spielraum", wird beklagt.

Die DPtV sowie die mit ihr kooperierenden Verbände schlagen eine Neufassung des Paragrafen 87 Absatz 2c SGB V mit dieser Vorschrift vor.

"Die Bewertungen für psychotherapeutische Leistungen haben eine Höhe der Vergütung je Zeiteinheit zu gewährleisten, mit der sichergestellt ist, dass eine mit vertragsärztlichen Leistungen voll ausgelastete psychotherapeutische Praxis den Ertrag einer ebenso mit vertragsärztlichen Leistungen voll ausgelasteten Praxis des fachärztlichen Versorgungsbereichs erzielt".

Psychotherapeuten verdienten bei gleicher Arbeitszeit "nur etwa die Hälfte ihrer somatisch tätigen ärztlichen Kollegen", erklärt die DPtV.

Man werde die "ständigen Verzögerungen" des Bewertungsausschusses bei der Überprüfung der Vergütung für Psychotherapeuten nicht mehr akzeptieren, kündigte der Verband an. (fst)

[08.05.2015, 12:15:27]
Dipl.-Psych. Götz Braun 
Wer ist schuld??
Natürlich das BSG.
Wer ruft das BSG aber regelmäßig an? Die beiden Berufsverbände DPTV und bvvp.
Was machen die beiden Verbände sonst noch???? In Bezug auf die Honorarfrage kann ich hier nur Fragezeichen einsetzen. Auch für die Kundegebung in Ffm wird wiederum nur der Bewertungsausschuss aufgefordert, seine Hausaufgaben zu machen. Scheinbar haben sie das getan und kommen auf 1 (einen) Euro Nachzahlung.
Eine Verhöhnung der gesamten Berufsgruppe, aber allen voran der beiden Berufsverbände mit deren verantwortlichen Vorständen. Seit 1999 haben die beiden Verbände (DPTV seit seiner Gründung) keine besseren Ideen zustande gebracht, als beim BSG vorstellig zu werden. Anders ausgedrückt, unsere beruflich/wirtschaftliche Realität ist auch und möchte meinen zu aller erst das Ergebnis der Ideenuntätigkeit dieser beiden Verbände.
Nein der Bewertungsausschuss und die KV genauso wie das BSG sind nicht der Ort an dem wir auf eine Verbesserung der Honorar warten brauchen.
Ich fordere unsere Berufsgruppe und insbesondere die Mitgleiter der beiden Verbände eindringlich auf, die Vorstände der Verbände zur Rechtfertigung für die desolate berufspolitische Situation auch als Ergebnis ihrer eigenen Eineffektivität zu zwingen über große Podiumsveranstaltungen, auf denen die berufspolitischen Zielsetzungen wieder im Dialog mit uns gefunden werden und nicht als Alleingangentscheidung einer handvoll Kollegen der Vorstände. zum Beitrag »
[24.03.2015, 22:34:42]
Dr. Wolfgang Bensch 
Vielleicht ist etwas anderes verfassungswidrig?
Haben sich die Psychotherapeuten schon einmal zur weltweit einmaligen Sozialgerichtsbarkeit in Deutschland geäussert, die das alles ermöglicht, was von ihnen nun beklagt wird? zum Beitrag »
[24.03.2015, 12:12:06]
Dipl.-Psych. Roland Hartmann 
Strukturelle Benachteiligung
Ich kann mich meinem "Vorredner" nur anschließen. Es handelt sich nicht nur um ein Gefühl, sondern um bittere Realität.

Von uns Psychotherapeuten wird u.A. abverlangt:
1. Maximale Arbeitsauslastung (ca. 60 Stunden/Woche), um damit gerade eben den Durchschnittsertrag schlecht verdienender Facharztgruppen erreichen zu dürfen (Maximalauslastung vs. Durchschnittsauslastung!). Davon werden dann durch diverse Rechentricks seitens des Bewertungsausschusses nochmals ca. 10% abgezogen, so dass unser Ertrag bei Normierung auf gleiche Arbeitszeit nur die Hälfte oder weniger der anderen Fachgruppen beträgt. Die somatisch Ärzte beklagen immer, ihr Honorar würde kaum noch reichen um eine Praxis zu betreiben. Denken Sie sich dies mal mit 40-50% des Ertrages. Dann haben Sie unsere Situation.

2. Quasi keine eigene Verhandlungs- und Vertretungsvollmacht (in sämtlichen einschlägigen Gremien der sogenannten "Ärztlichen Selbstverwaltung (wir kommen nicht mal im Namen vor) kommen wir nicht vor bzw. haben immer höchstens auf 10% gedeckeltes Stimmrecht.

3. Sämtliche Psycho-Leistungen sind per Gesetz zeitgebunden und personengebunden (mindestens 50 Minuten direkter persönlicher Therapeut-Patienten-Kontakt; bei weniger: Kein Honorar). Daher keine Honorarerhöhung durch Hilfspersonal oder Arbeitsbeschleunigung möglich. Selbstredend auch kein Einsatz von Apparatemedizin (obwohl es hier Möglichkeiten gäbe, wie z.B. Biofeedback; ist aber für uns nicht abrechenbar). Dies führt dazu, dass wir von sämtlichen (!) Möglichkeiten, aus eigener Kraft unser Honorar zu erhöhen (außer stetiger Erhöhung der Arbeitszeit) ausgeschlossen sind. Die KBV und die Krankenkassen verweigern uns aber jede Honorarverbesserung in Anlehnung an die ärztlichen Honorarverbesserungen durch deren Rationalisierungsmöglichkeiten. Hierdurch jährlicher inflationsbereinigter Ertragsverlust in Höhe von ca. 0,5% (seit 1999 ca. 10% Verlust). Zudem dürfen wir in vielen KVen noch brav zur "Stützung der fachärztlichen Honorare" Honorarkürzungen ertragen.

4. Wir sind die einzige Fachgruppe, die FÜR JEDEN PATIENTEN, UND TEILWEISE MEHRFACH mehrseitige quasi unbezahlte (ca. 6-8 Euro brutto/Stunde= ca. 1,50 Euro netto), Therapieanträge schreiben muss, die dann oftmals per Gutdünken von sogenannten "Gutachtern", welche die Patienten nicht kennen, "bewilligt" werden müssen. Jedesmal eine Art Lotteriespiel ("genehmigt" der Gutachter oder nicht, hab ich mit dem Gutachter auf anderer Ebene vielleicht schon mal Probleme gehabt, dann lehnt er meinen Antrag vielleicht ab und ich darf quasi umsonst arbeiten oder den Patienten heim schicken) und eine Art Prüfung in der Fähigkeit, einen 3-5-Seitigen Deutschaufsatz in der fachlichen Tiefe einer Universitätsprüfung zu schreiben. Sämtliche Vorschläge zur Modifikation dieses "Gutachterverfahrens" (Abschaffung, Verschlankung, besser Honorierung) wurden seit nunmehr 46 Jahren seitens der Selbstverwaltung immer blockiert und stattdessen die Anforderungen immer höher geschraubt.

5. In den Medien stetige Falschaussagen: Psychotherapeuten würden zu wenig arbeiten (KBV), stünden "schlecht im Saft" (Lauterbach), würden für eine Halbtagsstelle 70.000 Euro bekommen (Lanz, GKV-Spitzenverband), würden ihren Versorgungsauftrag nicht erfüllen (Spahn, CDU). Dabei haben wir in Wirklichkeit hinsichtlich Versorgungsauftrag mit die besten Quoten aller Fachgruppen und diverse Wirksamkeitsstudien bescheinigen uns einen Gewinn in Form von Einsparungen für die Gesellschaft von 3-4 Euro pro investiertem Euro, was kaum oder keine andere Fachgruppe vorweisen kann. Meist bleiben die Falschaussagen aber von Seiten der ärztlichen Selbstverwaltung unwidersprochen und werden sogar noch beklatscht.

Hier kann man wahrlich nicht von Gefühl sprechen.... zum Beitrag »
[24.03.2015, 09:06:11]
Dipl.-Psych. Wolfgang Ebers 
Psychotherapeuten SIND benachteiligt, sie fühlen es nicht nur
Bei einem durchschnittlichen Realeinkommen von € 28.- bis € 34.- pro Stunde
--- das ist nicht nur ein Gefühl -wir SIND benachteiligt. Bei Stundenterminen haben wir nun Mal bei voller Auslastung (incl. P-Pat.) 36-40 Pat.-Std. pro Woche. - für nicht wenige Ärzte eine lächerliche Tageszahl. In KV-Darstellungen und öffentlichen KV-Forderungen bzgl. Honorar sind es "die Ärzte und Psychotherapeuten", beim Verteilen wird nicht einmal das seit 1996 (!) vom BSG- festgestellte absolute Minimum gezahlt. Die Gruppe mit der 2. größten Zahl der KV-Mitgliedern ist in den Gremien extrem unterrepräsentiert bzw. nicht vorhanden.
Nein - es ist wahrlich nicht nur ein Gefühl. zum Beitrag »

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Wie Grippeviren ihr Erbgut steuern

Forscher haben nachgewiesen, wie Gene von Influenza-A-Viren an- und abgeschaltet werden. Die Erkenntnisse sollen die Entwicklung neuer Therapien vorantreiben. mehr »

Mehr Transparenz soll die Wogen der SPRINT-Studie glätten

Der Streit um die SPRINT-Studie hält an. Im Fokus steht die genutzte Methode der Praxisblutdruckmessung, um die sich Gerüchte rankten. Jetzt hat die SPRINT-Gruppe für mehr Transparenz gesorgt. mehr »

Vorsorge für den Brexit – Ansturm auf das Aufenthalts-Zertifikat

Viele Gesundheitsfachkräfte aus EU-Ländern haben Großbritannien schon verlassen. Diejenigen, die bleiben wollen, versuchen nun, das "Settled-Status"-Zertifikat zu erlangen. mehr »