Ärzte Zeitung, 28.08.2015

Berlin

Senat beschließt Kinderschutzambulanzen

Vier zusätzliche Anlaufstellen zur Bewertung von Kindeswohlgefährdung gibt es ab dem kommenden Jahr in Berlin. Die neuen Ambulanzen werden an Kinderkliniken angesiedelt.

BERLIN. Das Berliner Netzwerk Kinderschutz wird ab 2016 um vier Kinderschutzambulanzen erweitert. Das hat der Senat von Berlin am Dienstag beschlossen.

Die Berliner Landesregierung will damit eine flächendeckende Versorgung der Stadt mit medizinisch-psychologisch-sozialpädagogisch kompetenten Anlaufstellen zur Bewertung von Kindeswohlgefährdungen gewährleisten.

Die neuen Kinderschutzambulanzen werden an vier der acht Kinderkliniken in Berlin angesiedelt, die schon interdisziplinäre Kinderschutzgruppen vorhalten.

Sie sollen Fachkräfte bei der Klärung von Verdachtsfällen von Kindesmisshandlung unterstützen, die beruflich mit Kindern und Jugendlichen in Kontakt stehen. Das Angebot richtet sich auch an niedergelassene Kinderärzte.

Vernachlässigung und sexualisierte Gewalt

Die Ärzte der Ambulanzen diagnostizieren akute und chronische Formen von körperlicher oder seelischer Misshandlung, Vernachlässigung und sexualisierter Gewalt gegen Kinder und Jugendliche.

Eine zusätzliche, im Kinderschutz kompetente Kinderkrankenschwester übernimmt die Koordination des multiprofessionellen Teams in der Ambulanz.

Erfreut über den Einsatz der Kinderkrankenpflegekräfte zeigte sich Gesundheitssenator Mario Czaja (CDU). "Damit sind sie und alle anderen beteiligten Professionen ein unverzichtbares Bindeglied zwischen der Kinder- und Jugendhilfe und dem Gesundheitssystem", sagte er.

Frühe Diagnose im Blick

Die Senatorin für Bildung, Jugend und Wissenschaft Sandra Scheeres (SPD) verwies auf die Bedeutung einer frühen Diagnose.

Die Ambulanzen seien Kompetenzzentren, in denen speziell geschultes Personal künftig in Zweifelsfällen mehr Klarheit schaffen könne. "Je frühzeitiger wir Misshandlungen und Vernachlässigungen erkennen, desto besser können wir Kinder schützen", so Scheeres.

Justizsenator Thomas Heilmann (CDU) misst der gerichtsfesten und zeitnahen Sicherung von Misshandlungs- und Missbrauchsspuren große Bedeutung bei.

Er kündigte an, dass der rechtsmedizinische Dienst der Gewaltschutzambulanz betroffene Kinder begutachten und die gerichtsfeste Dokumentation sicherstellen werde. (ami)

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