Ärzte Zeitung online, 06.12.2016
 

Sachsen-Anhalt

Bündnis pro Hausärzte

AOK, Gesundheitsministerium, KV und Ärztekammer in Sachsen-Anhalt sind sich einig: Nur gemeinsam kann es gelingen, den drohenden Hausärztemangel zu verhindern. Die Weichen sollen schon in den ersten Studienjahren gestellt werden.

Von Petra Zieler

Bündnis pro Hausärzte

Sachsen-Anhalt braucht Hausärzte – ein breites Bündnis soll Weichen stellen und die Werbetrommel rühren.

© Marco 2811 / fotolia.com

WERNIGERODE. Statt der üblichen Schelte gab es beim Hausärztetag in Sachsen-Anhalt nur Lob für die Landes-AOK. Grund: Sie will den Nachwuchs fördern.

"Mit der gezielten und koordinierten Förderung für angehende Hausärzte bereits von Studienbeginn gelingt uns ein großer Wurf für Sachsen-Anhalt": Landeshausärztechef Stefan Andrusch geriet über das neue Bündnis pro Hausärzte fast ins Schwärmen

 Lange Zeit hatten die gesetzlichen Krankenkassen einen drohenden Ärztemangel negiert. 2016 die Umkehr. AOK, Gesundheitsministerium, KV und Ärztekammer sind sich einig darin: In den kommenden zehn Jahren braucht das Land mindestens 800 neue Hausärzte.

Bemühung um Nachwuchs schon im ersten Studienjahr

"Schaffen wir es nicht, jedes Jahr 80 Studienabgänger durch die Weiterbildung Allgemeinmedizin zu bringen und für eine Niederlassung in Sachsen-Anhalt zu gewinnen, gefährden wir die hausärztliche Versorgung", so AOK-Vorstand Ralf Dralle. Die Bemühungen müssten bereits im ersten Studienjahr greifen.

Die Klasse Allgemeinmedizin an der Uni Halle sei ein Musterbeispiel, bei dem es nicht bleiben dürfe. Eine zahlenmäßige Aufstockung in der Saalestadt wäre gut, ein ähnliches Modell in Magdeburg notwendig. Derzeit laufen entsprechende Gespräche mit der Medizinischen Fakultät in der Landeshauptstadt.

Über wesentliche Punkte zur Verbesserung der Weiterbildungssituation im Fach Allgemeinmedizin sind sich AOK, Selbstverwaltungen und Land laut Professor Reinhard Nehring, Gesundheitsministerium, mittlerweile einig. Juristische Details seien allerdings noch zu klären.

Wo soll der Koordinator sitzen?

Dazu gehört auch die Frage, ob ein Koordinator für die Weiterbildung bei der Ärztekammer angesiedelt werden könne. Dass es ihn geben muss, ist unumstritten. Nur so könne garantiert werden, dass Weiterbildungsassistenten im ambulanten Bereich künftig gleich gute Bedingungen wie in Kliniken haben.

Voraussetzung seien neue Strukturen und ein gut funktionierendes Management. Dralle: "Es sollte gelingen, den Guerillakampf gegen die Niederungen der deutschen Bürokratie zu gewinnen, der es manchem Absolventen verleidet, den hausärztlichen Weg einzuschlagen."

An den Kosten wolle sich die AOK beteiligen, "aber nur, wenn damit klare Ziele verbunden sind." Weiter forciert werden sollten nach Ansicht der Hausärzte Möglichkeiten des Quereinstiegs für Fachärzte in die Allgemeinmedizin. Den Weg dafür hatte die Landesärztekammer bereits vor vier Jahren frei gemacht und 2015 um weitere drei Jahre verlängert.

Die Unterstützung der AOK sollte für die Allgemeinmediziner laut Stefan Andrusch zugleich Verpflichtung sein. "Wir brauchen jetzt mehr Kollegen, die sich um den hausärztlichen Nachwuchs kümmern. Jeder sollte sich überlegen, welchen Beitrag er dabei leisten kann." Der Einstieg könnten Blockpraktika oder Famulaturen in Hausarztpraxen sein.

[06.12.2016, 17:12:37]
Henning Fischer 
aber bitte nicht unterschlagen:

durch Honorarbudgets der Bundesregierung(en) bezahlen die Krankenkassen derzeit nur 62% der erbrachten Leistungen (KVWL), das Honorarniveau ist auf dem Stand der 90er-Jahre

durch Unfähigkeit der BÄK gab es seit über 20 Jahren keine Anpassung der GOÄ-Honorare mehr: Stand derzeit minus 30%.

Wer dann noch will der soll mal.


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