Ärzte Zeitung online, 21.06.2017

KV Sachsen-Anhalt

Freiberuflichkeit muss erhalten bleiben!

Die KV sieht den Trend des Praxisverkaufs an klinikeigene MVZ mit wachsender Sorge. Jetzt verspricht der KV-Vorstand, stärker als bisher gegenzusteuern.

MAGDEBURG. Finanziell lukrativ, weniger aufwändig, risikofrei – die Gründe für einen Praxisverkauf an klinikeigene MVZ sind vielfältig. Die KV Sachsen-Anhalt (KVSA) will gegensteuern.

Immer mehr niedergelassene Ärzte geben ihre Praxis an ein Medizinisches Versorgungszentrum in Trägerschaft eines Krankenhauses ab. Das kann gravierende Auswirkungen auf die Zukunft haben: Junge Ärzte bekommen so kaum noch die Chance, Praxen zu übernehmen, geschweige denn eine Zulassung zu erhalten. Die Freiberuflichkeit ist gefährdet.

"Wir wollen die Ärzte sensibilisieren und mit einem komplexen Maßnahmebündel unsere Hilfe bei der Praxisnachfolge intensivieren", so KV-Vorstand Dr. Burkhard John. Die KV wird ab dem zweiten Halbjahr in ihren Kreisstellen Veranstaltungen anbieten, bei denen Experten gezielt über Praxisabgabe oder -übernahme informieren, beraten und für die Freiberuflichkeit werben. Verbinden will die KV damit die konkrete Ansprache aller Ärzte, die in absehbarer Zeit ihre Praxis abgeben. Die Praxisbörse, bei der sich abgebende und niederlassungswillige Ärzte finden können, soll professionalisiert und zu einer Kooperationsbörse ausgebaut werden.

"Ab Ende des Jahres", so Burkhard John, "wollen wir interessierten Ärzten darüber hinaus Patenschaften anbieten." Vorgesehen ist, dass KV-Mitarbeiter oder engagierte Ärzte Nachbesetzungsverfahren individuell unterstützen und begleiten. Im Bedarfsfall kann die Hilfe auch auf Verwandte und Erben ausgedehnt werden.

Das Ziel heißt: Ärzte entlasten, ob bei der Anstellung von Weiterbildungsassistenzen, bei der Vermittlung von Ärzten für Vertretungen oder auch bei Praxisabgaben, -übernahmen, -beteiligungen oder bei Anstellungen. "Gut angenommen wird bereits unsere Niederlassungsfahrschule, die hilft, Ängste vor dem Ungewissen abzubauen." Auf den jeweiligen Bedarfsfall bezogen, soll auch die Zusammenarbeit mit Kommunen intensiviert werden.

Ungeachtet dieser Bemühungen will die KV weiterhin ausländische Ärzte anwerben und betreuen – beginnend bei der Visumerteilung und Aufenthaltsgenehmigung bis zu konkreten Hilfestellungen beim aufwändigen Approbationsverfahren, der Anerkennung der Facharztbezeichnung oder der Vermittlung von Weiterbildungsabschnitten. (zie)

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

NEU als Themen abonnierbar: Frauengesundheit und Kindergesundheit

Wenn Komplementärmedizin für Krebskranke tödlich wird

Krebspatienten, die zusätzlich unbewiesene Heilverfahren nutzen, verschlechtern wohl ihre Überlebenschance. Die Erklärung ist nicht in der Komplementärmedizin selbst zu suchen. mehr »

KBV kämpft um Autonomie der Ärzte

Die im TSVG enthaltenen verpflichtenden Mindestsprechzeiten sind der KBV nach wie vor ein Dorn im Auge. Der Vorstand fordert nun die Regierung auf, diesen Passus zu streichen. Und das ist nicht der einzige Änderungsvorschlag. mehr »

Kurskorrektur in der Alzheimerforschung?

Offenbar entzieht sich das Gehirn bei Morbus Alzheimer dem Immunsystem. Checkpoint-Hemmer aus der Krebstherapie könnten dies verhindern. Bei Mäusen klappt das schon. mehr »