Ärzte Zeitung online, 23.06.2017
 

Honorarverhandlungen

Honorarsumme zieht in Hessen tiefe Gräben

Die Honorarverhandlungen in Hessen sind gescheitert, die KV schießt scharf gegen die Kassen. Die ordnen das Prozedere aber anders ein.

Von Jana Kötter

FRANKFURT/MAIN. In Sachen Honorar werden KV Hessen und Krankenkassen künftig vor dem Schiedsamt weiterverhandeln. Nach der vierten Verhandlungsrunde erklärte die KV Hessen am Freitag die Honorarverhandlungen im Land für gescheitert.

"Wir sind bestürzt, mit welchem demonstrativen Desinteresse an ihren Versicherten die Krankenkassen das Scheitern der Verhandlungen geradezu provoziert haben", teilten die Vorstandsvorsitzenden Frank Dastych und Dr. Eckhard Starke mit. Die Partnerschaft mit den Kassen liege "in Trümmern".

Die Krankenkassen wollten die Honorarsumme für das Jahr 2017 zuletzt um fast 50 Millionen Euro im Vergleich zum Jahr 2016 (2,6 Milliarden Euro) absenken. Das teilte die KV-Spitze mit und bewertete das Angebot als "Bankrotterklärung der Krankenkassen in Hessen in Bezug auf die Verantwortung für die ambulante Versorgung ihrer Versicherten".

Mit einem Blick auf den Verlauf der Verhandlungen kann das jüngste Angebot der Kassen jedoch bereits als Vorbereitung auf die Schiedsamtsentscheidung gewertet werden. Denn die GKV machte eigenen Angaben zufolge ein Angebot, welches eine Steigerung der letztjährigen Honorarsumme von "deutlich über 40 Millionen Euro" beinhaltete.

Dieses habe für eine Einigungslösung nach wie vor Bestand, erklärte Meinhard Johannides, Sprecher des hessischen Verbands der Ersatzkassen (vdek) als federführender Verband, auf Anfrage der "Ärzte Zeitung".

Überrascht von Reaktion

Er legt die GKV-Sicht dar: "Da der KV unverständlicherweise das Angebot nicht ausreichte, verließ sie in der vorletzten Verhandlungsrunde die partnerschaftlichen Verhandlungen und erhob in Vorbereitung einer möglichen Schiedsamtsverhandlung direkt im Anschluss eine Forderung in Höhe von fast 300 Millionen Euro. Aufgrund dieser derart überzogenen Forderung musste die GKV ihr Angebot entsprechend überdenken."

Weil die Gespräche bis dahin "konstruktiv und einigungsorientiert" stattgefunden hatten, zeigte sich Johannides über die Reaktion überrascht.

Das gilt auch für die angedrohte Aufkündigung der Niederlassungsförderung in Hessen, die die KV-Spitze als nötige Konsequenz der Honorar-"Geisterfahrt" der Vertreterversammlung vorschlagen wolle.

Eine Niederlassung im Land sei unter den gegebenen Umständen nicht mehr interessant. Die GKV in Hessen hingegen weist das als "sachfremd" zurück. Eine solche Drohung gefährde die bislang guten Erfolge in der Nachwuchsförderung für den ländlichen Raum.

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