Ärzte Zeitung online, 12.07.2017
 

Niedersachsen

Hausärzte klagen im Streit um Laborkosten

Zwei Hausärzte wollen mit Musterklagen vor dem Sozialgericht Hannover eine Klärung herbeiführen.

HANNOVER. Zwei Hausärzte in Niedersachsen klagen vor dem Sozialgericht in Hannover wegen der steigenden Laborkosten gegen ihre Honorarbescheide seit dem vierten Quartal 2015 bis heute.

Das Regelleistungsvolumen als Hausärzte sinke, weil die Hausärzte für viel mehr Laborkosten aufkommen müssen als sie tatsächlich verursachen, sagt Dr. Matthias Berndt, Vorsitzender des Hausärzteverbandes Niedersachsen, der "Ärzte Zeitung".

Er und Dr. Carsten Gieseking, Vorsitzender des Hausärzteverbandes Braunschweig, haben die Musterklagen eingereicht. "Wir warten auf die Verfahrenseröffnung", hieß es.

Das Problem: Wie überall steigen auch in Niedersachsen die Laborkosten. "Seit Jahren reduziert der Laborkostenabzug den hausärztlichen Anteil an der Gesamtvergütung", bestätigt die KV Niedersachsen. Dabei variiere in Niedersachsen die Höhe des Vorwegabzuges, hieß es.

"Für die Hausärzte sind dies durchschnittlich acht Millionen Euro, für die Fachärzte 44 Millionen Euro pro Quartal", erklärt Detlef Haffke, Sprecher der KV Niedersachsen.

Schon seit 2015 sei der Gesamtbedarf höher als die Summe der Vorwegabzüge hergebe. "Die Nachschusspflicht variiert natürlich ebenso. Sie beträgt durchschnittlich sechs Millionen Euro im Quartal", so Haffke.

"Aus dem Hausarzttopf quersubventioniert"

Das Problem: Der Nachschussbetrag wird jeweils zur Hälfte aus dem haus- und dem fachärztlichen Topf gezahlt. Schon im vergangenen Sommer schrieb der niedersächsische Hausärzteverband an die Mitglieder: "Ausufernde Laborkosten im Facharztbereich werden durch Gelder aus dem Hausarzttopf quersubventioniert. Nach unserer Schätzung kann dies bis zu 400 Euro pro Quartal pro Hausarzt ausmachen. Da die KVN sich nicht in der Lage sieht, dies zu unterbinden, werden wir als Hausärzteverband gegen diesen Zustand mit mehreren Musterverfahren (Einzelpraxis, Gemeinschaftspraxis) klagen."

Jetzt hat das Sozialgericht Hannover die Klage der beiden Hausärzte angenommen. Nach Angaben Berndts "fallen 80 bis 90 Prozent der Laborkosten im fachärztlichen Bereich an". Und das Problem werde sich verschärfen. "Im Bereich der Humangenetik zum Beispiel bei Brustkrebspatientinnen ist praktisch ein ganz neuer Diagnoseblock entstanden", sagt Berndt.

Berndt weiter: "Der hausärztliche Versorgungsbereich kann diesen und weitere nicht mit seinem Honorar quersubventionieren. Auch für den fachärztlichen Versorgungsbereich müssen vernünftige Lösungen gefunden werden, damit ärztliche Leistungen nicht durch Laborkosten honorartechnisch kannibalisiert werden." (cben)

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