Ärzte Zeitung online, 13.10.2017

Bereitschaftsdienst

Notfallmediziner sehen KV-Hoheit in der Klinik kritisch

Die Diskussion um Notfallambulanzen geht weiter. Jetzt haben sich die Notfallärzte zu Wort gemeldet.

Von Anno Fricke

BERLIN. Intensiv- und Notfallmediziner stehen Notaufnahmen in den Krankenhäusern unter alleiniger Regie der Kassenärzte kritisch gegenüber. "Wir unterstützen den Aufbau zentraler Anlaufstellen", sagte Professor André Gries, Notaufnahme-Experte der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI), am Donnerstag. Diese Zentren sollten jedoch nicht ausschließlich unter Leitung der Kassenärztlichen Vereinigungen stehen. Für die fachliche Diagnose, aber auch für die unmittelbare Notfalltherapie müsse ein in der Notfallmedizin erfahrener Facharzt eingesetzt werden, forderte Gries. Es werde zudem kritisch betrachtet, dass die KV unabhängig über die stationäre Aufnahme von Patienten entscheiden solle. Es sei organisatorisch sinnvoller, wenn die Krankenhäuser an dieser Stelle ihre Hoheit behielten.

Zwei Fünftel der Menschen in Deutschland fürchten unterdessen längere Wartezeiten in der Notfallversorgung, sollten Integrierte Notfallzentren eingeführt werden. Das geht aus einer repräsentativen Umfrage des forsa-Instituts im Auftrag des Katholischen Krankenhausverbandes hervor (die "Ärzte Zeitung berichtete kurz in ihrer App am Donnerstag). Was Wartezeiten und Qualität in der Notfallversorgung angeht, scheiden sich die Geister mit zunehmendem Alter. Der Umfrage zufolge sehen 44 Prozent der über 45-Jährigen zügige Behandlungen im Krankenhaus in Gefahr, wenn nicht mehr jedes Krankenhaus als Anlaufstelle für vermeintliche und echte Notfälle genutzt werden könne. Glatt die Hälfte der unter 30-Jährigen geht von Verbesserungen bei den Wartezeiten in den Erstanlaufstellen aus. Und sogar zwei Drittel in dieser Gruppe rechnen mit mehr Qualität in der Versorgung.

Der Sachverständigenrat für Gesundheit hatte am 7. September Einblick in seine Gutachtenarbeit gewährt. Derzeit arbeitet der Rat an einem Gutachten, das im April 2018 vorgestellt werden soll. In der vorläufigen Fassung plädiert der Rat für Notfallzentren an Krankenhäusern, die von den KVen betrieben werden sollen. So sollen Interessenkonflikte von Krankenhausmitarbeitern vermieden werden, nicht zwingend stationär zu behandelnde Patienten dennoch einzuweisen. Vertreter der KBV weisen seither verstärkt darauf hin, dass medizinische Notfälle auch nach wie vor ohne Umweg über die Integrierten Notfallzentren in die Schockräume, Stroke-Units und sonstigen intensivmedizinischen Einrichtungen gelangen sollen. Eine Art von Triage werde nur am gemeinsamen Schalter der geplanten Zentren vorgenommen, den die Patienten in der Regel zu Fuß erreichten.

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