Ärzte Zeitung online, 18.10.2017
 

Südwest-KV

Fünf Prozent Honorarplus

Für Vertragsärzte ist das Jahr im Südwesten gut angelaufen: Im ersten Quartal stieg das Honorar um fünf Prozent. Das zweite Quartal schwächelt – doch dafür gibt es gute Gründe.

Von Michael Sudahl

STUTTGART. Nach der Wahl ist vor den Koalitionsverhandlungen: Baden-Württembergs KV-Chef Dr. Norbert Metke hat die jüngste Vertreterversammlung genutzt, um die Kernforderungen baden-württembergischer Haus- und Fachärzte an die künftige Bundesregierung zu präsentieren.

Vor allem eine differenzierte Mengensteuerung als Voraussetzung für eine Entbudgetierung brennt Metke untern den Nägeln. Ein neuer EBM sollte künftig trennen zwischen Pauschalierung, wo Mengenentwicklung ob der Indikation zu hinterfragen ist, und Einzelleistungsvergütung dort, wo sie erwünscht ist. Alternativ forderte Metke eine Ergänzung des Paragrafen 87a Absatz 3 SGB V, um mehr "besonders förderungswürdige Leistungen" auszubudgetieren. Als Beispiele nannte er Onkologie, Geriatrie oder Notfalldienste.

Nicht nur einheitliche Verträge

Der KV-Chef sprach sich auch für mehr kassenartenspezifische Verträge aus. Dann würden nicht "einheitliche und gemeinsame" Verträge das Tempo bestimmen, sondern der "Innovativste den Wettbewerb um die Versorgung gewinnen". Überdies appellierte Metke an die Politik, nicht ständig die Rahmenbedingungen für Vertragsärzte zu ändern: "Lasst uns bitte in Ruhe arbeiten."

Der KV-Chef zog vor den Vertretern eine Zwischenbilanz der Honorarentwicklung. Im ersten Quartal dieses Jahres verzeichnet die KVBW eine Steigerung um 4,9 (Fachärzte) und 5,0 Prozent (Hausärzte). Erreicht worden sei inzwischen eine fast symmetrische Verteilung der Zuwächse sowie das Aussetzen der Mengenbegrenzung. Weil jedoch im zweiten Quartal fünf Prozent weniger Arbeitstage zur Verfügung standen, sinkt das Honorar leicht: minus 0,17 Prozent (Hausärzte) und minus 3,67 Prozent (Fachärzte). Im März hatten sich KV und Kassen auf das Honorarpaket für 2017 verständigt: Die morbiditätsorientierte Gesamtvergütung (MGV) steigt um 82 Millionen Euro, ein Plus von drei Prozent.Im Vergleich zum Zeitraum 2011 bis 2016 sei das Honorar pro Arzt in den meisten Fachgruppen um mehr als 20 Prozent gestiegen.

Somit stehe Baden-Württemberg bei den Honorarzuwächsen der Fachärzte bundesweit auf Rang eins, sagte Metke. Und dies trotz einer 14-prozentigen Budgetierung in Höhe von 210 Millionen Euro. Bei den Hausärzten ist diese weiter ausgesetzt. Alle Leistungen würden voll vergütet, es bestehe keine Mengenbegrenzung.

Für 2018 entsprächen die Vorgaben der Bundesebene für die regionalen Honorarverhandlungen in etwa denen für das laufende Jahr. Zur Erinnerung: Die KBV hatte eine Anpassung des Orientierungswertes (OW) von 2,4 Prozent gefordert. Herausgekommen war am Ende ein Plus von nur 1,18 Prozent. Im Erweiterten Bewertungsausschuss war der OW gegen die Stimmen der KBV festgelegt worden.

Für die Finanzierung der Nichtärztlichen Praxisassistentinnen (NäPa) stehen im kommenden Jahr im Südwesten 15 Millionen Euro zur Verfügung, im laufenden Jahr sind es 6,2 Millionen, berichtete Metke. Er kündigte an, die KV werde in den Verhandlungen mit den Kassen "auf den baden-württembergischen Weg" setzen. Mit dieser Strategie sei die KVBW im Vergleich zum Bund bisher "gut rausgekommen".

Über neue Entwicklungen berichtete die KV-Führung bei der Telematikinfrastruktur: Die Umstellungsfrist für Ärzte ist bis Ende 2018 verlängert. Wer allerdings zögere, müsse mit einem höheren Kaufpreis rechnen, warnte KV-Vorstandsvize Dr. Johannes Fechner.

Eine Idee hat er aus Dänemark mitgebracht: Dort wird aktuell an einer integrierten Notfallversorgung per App gearbeitet, bei der Patienten telefonisch Termine erfragen. Die Leitstelle – idealerweise mit einem Arzt besetzt – entscheidet, ob sie den Anrufer zu einem niedergelassenen Arzt zum Bereitschaftsdienst oder in eine Klinik (Notaufnahme) schickt, oder aber ob der Rettungsdienst ausrückt. Die App liefere dem Patienten den Stand der jeweiligen Wartezeit. Diese Art der Patientensteuerung über definierte Versorgungspfade entlaste betroffene Stellen und sorge durch Informationsfluss zum Patienten für Transparenz, so Fechner.

Positiv entwickele sich das Förderprogramm Allgemeinmedizin für Ärzte in Weiterbildung, berichtete er. Aktuell gebe es im Südwesten hier 800 Teilnehmer, was einer Verdopplung an Köpfen seit 2010 entspreche. Interessant sei, so der KV-Vize, aus welchen Fachbereichen die Quereinsteiger zur Allgemeinmedizin kommen: "Anästhesisten sind auf dem Vormarsch", sagte Fechner. Wobei das Durchschnittsalter bei rund 40 Jahren liegt. Bei der Förderung weiterer Fachgruppen ist jedoch nur bei den Hautärzten ein positiver Trend zu sehen – ein Plus von 37 Köpfen.

4,5 Millarden Euro betrug im vergangenen Jahr das Honorar der Vertragsärzte in Baden-Württemberg. Davon stammen 2,9 Milliarden Euro aus der – budgetierten – morbiditätsorientierten Gesamtvergütung. Weitere 1,6 Milliarden Euro ergeben sich aus unbudgetierten Honorartöpfen, beispielsweise für DMP oder für das ambulante Operieren.

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