Ärzte Zeitung online, 13.09.2018

Schleswig-Holstein

Herrmann ist neuer Präsident der Kammer

Der Geriater Dr. Henrik Herrmann setzt sich durch bei der Wahl um die Nachfolge von Franz Bartmann.

BAD SEGEBERG. Dr. Henrik Herrmann ist neuer Präsident der Ärztekammer Schleswig-Holstein. Der 59-jährige Klinikarzt aus Brunsbüttel war bislang Vize-Präsident und folgt auf Dr. Franz Bartmann, der nach 17-jähriger Amtszeit auf eine weitere Kandidatur verzichtet hatte. Neue Vizepräsidentin ist Dr. Gisa Andresen aus Flensburg.

Herrmann ist neuer Präsident der Kammer

Dr. Hendrik Herrmann, der neue Chef der Kammer Schleswig-Holstein.

© Dirk Schnack

Die Ära nach Bartmann begann mit spannenden Wahlgängen: Für jeden der sieben Vorstandsposten kandidierten mehrere Bewerber. Dem künftigen Vorstand gehören drei neue Mitglieder an, drei Frauen und vier Klinikärzte.

Neben Geriater Herrmann hatte sich auch der Kieler Chirurg Dr. Christian Sellschopp um das Präsidentenamt beworben. Herrmann überzeugte mit einer Rede, in der er herausarbeitete, wie die Kammer sich in ihren Kernkompetenzen weiterentwickeln muss. Er kündigte an, für eine kostenfreie erste Facharztprüfung und eine neue Weiterbildungskultur einzutreten. Herrmann will interprofessionelle und interdisziplinäre Fortbildungen ausbauen und Qualitätsmanagement nicht als reinen ökonomischen Steuerungsmechanismus auffassen. Zum Spannungsfeld zwischen Medizin und Ökonomie betonte Herrmann, dass sich die Ärztekammer künftig verstärkt um das Rollenverständnis der Ärzte kümmern wird. Das bedeutet für ihn, dass Arzt "immer ein freier Beruf ist und sich immer primär um den Patienten kümmert und eben nicht nur um Ökonomie, Zweckmäßigkeit und Notwendigkeit."

In der Versorgung fordert Herrmann von den Ärzten und ihren Institutionen eine gestalterische Rolle: "Ich weiß, dass Wandel nicht einfach ist. Aber wer, wenn nicht wir als Ärzte können diesen Wandel entscheidend mitgestalten?" Gelingen könne dies durch einen engen Austausch mit Partnern im Gesundheitswesen und Überwindung der Sektoren, aber auch durch Delegation und Digitalisierung. "Wir fragen uns nicht, wohin uns Digitalisierung treibt, sondern wie wir Medizin und ärztliche Fürsorge in Zukunft mit Hilfe neuer Technologien betreiben wollen."

Die Rede brachte ihm in der Versammlung viel Anerkennung ein, die sich in einer deutlichen Stimmenmehrheit ausdrückte. Herrmann kündigte an, dass er seinen Posten als Landesvorsitzender des Marburger Bundes im Norden aufgeben wird.

In den Wahlgängen zeigte sich, dass die Frage, ob ein Bewerber niedergelassen oder als Klinikarzt arbeitet, nicht das entscheidende Kriterium ist. Obwohl beide Gruppen fast gleichstark vertreten sind, konnte sich auch Klinikärztin Andresen gegen zwei niedergelassene Ärzte durchsetzen. Auch den ersten Wahlgang um die Beisitzer entschied mit Dr. Doreen Richardt eine Klinikärztin für sich.

Weitere Beisitzer wurden Dr. Svante Gehring (hausärztlicher Internist aus Norderstedt und erster Sprecher der Ärztegenossenschaft Nord), der erstmalig in die Versammlung gewählte Mark Weinhonig (Hausarzt aus Niebüll), Dr. Sabine Reinhold (Klinik-Chirurgin aus Kiel) und Dr. Thomas Schang (Vorsitzender des Dachverbandes der Netze).

Mit stehendem Applaus hatte die Kammerversammlung, in der mehr als die Hälfte der Mitglieder neu vertreten sind, zuvor Dr. Franz Bartmann verabschiedet. Bartmann war 30 Jahre lang Mitglied der Versammlung und 17 Jahre Präsident. Er wandte sich besonders an die neuen Mitglieder, um ihnen Mut zu machen: "In jedem von Ihnen steckt das Zeug zu einem künftigen Präsidenten." Er forderte seine Kollegen auf: "Engagieren Sie sich in den Gremien, melden Sie sich zu Wort – gerade auch, wenn Sie nicht im Mainstream einer Debatte zu liegen scheinen. Es lohnt sich." (di)

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