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Ärzte Zeitung, 16.01.2004

Landesgrenzen sollen für Patienten an Bedeutung verlieren

Service-Zentrum im niederländischen Enschede hat sich zum Ziel gesetzt, die medizinische Versorgung in der Grenzregion zu verbessern

MÜNSTER (bds). Die Arbeit des Euregionalen Servicezentrums Gesundheit (ESG) im niederländischen Enschede soll in den kommenden Jahren helfen, die Versorgung der Patienten entlang der Grenze zu verbessern. Das hofft Dr. Giesbert Knichwitz, Mitglied der ESG-Gründungskommission.

Die Kassenärztliche Vereinigung Westfalen-Lippe, niedergelassene Ärzte aus den Niederlanden sowie Vertreter von Krankenkassen, den Hochschulen und der Industrie beteiligen sich an dem Servicezentrum. Elf Arbeitskreise arbeiten bereits an der Umsetzung der Projekte zur Patientenversorgung und Forschung.

Seit einigen Jahren gibt es bereits gemeinsame Projekte in der Ur-Euregio, dem 1958 gegründeten ersten Zusammenschluß deutsch-niederländischer Kommunen. Inzwischen gibt es vier weitere Euregios entlang der deutsch-niederländischen Grenze.

Zur ersten Euregio gehören das Münsterland, Teile des südlichen Niedersachsens sowie die niederländischen Provinzen Overijssel, Gelderland und Drenthe. Patienten aus den Niederlanden werden bereits in Deutschland operiert, um die Wartelisten im Nachbarland abzubauen. Künftig sollen bei größeren Unfällen Patienten auch in den Krankenhäusern des Nachbarlandes versorgt werden, erklärt Knichwitz.

In der dreijährigen Projektphase werde das Zentrum, das in dieser Zeit von der Euregio mit insgesamt 750 000 Euro gefördert wird, die notwendige Infrastruktur aufbauen, um Gesundheitsangebote sowie Forschung und Entwicklung enger aneinander zu binden. An dieser Arbeit beteiligen sich die Universitäten Osnabrück und Münster sowie die Fachhochschulen Münster und Enschede.

"Hochschulen, Mediziner und Unternehmen hatten bislang keine Möglichkeit, sich auszutauschen, um gemeinsam an Projekten zu arbeiten und zu forschen", erklärt der Oberarzt am Universitätsklinikum Münster. Noch in diesem Monat sollen die Datenbanken der Hochschulen und Industrie- und Handelskammern miteinander vernetzt werden. "Darauf haben dann neben den Hochschulen auch die Kooperationspartner aus Industrie und Handwerk Zugriff", sagt der Mediziner.

Außer der Kooperation bei Forschungsprojekten soll das Angebot für Patienten diesseits- und jenseits der Grenze weiter verbessert werden. "Die niederländische Amicon und die deutschen Krankenkassen planen dazu vereinfachte Abrechnungsmöglichkeiten für die Patienten", sagt er.

Patienten sollen an den Präventionsprogrammen im Nachbarland teilnehmen können, ohne daß die Krankenkassen in jedem einzelnen Fall über die Kostenübernahme verhandeln müssen. Gemeinsame Präventionsprojekte für Asthma- und Diabetespatienten gibt es bereits.

Die Personalentwicklung im Gesundheitswesen steht ebenfalls auf der Agenda des ESG. Das sei vor allem ein Anliegen der Niederländer, sagt Knichwitz. Das ESG will eine Jobbörse für Ärzte und Pfleger aus Deutschland einrichten, da in den Niederlanden immer noch Mangel an medizinischem Fachpersonal herrsche.

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