Kongress, 05.05.2010

Wer profitiert wann von der US-Gesundheitsreform?

Wer profitiert wann von der US-Gesundheitsreform?

Barack Obama musste Kompromisse machen - und hat am Ende doch gewonnen: Die heftig umkämpfte Gesundheitsreform ist in trockenen Tüchern. Doch längst nicht alle Gesetzesdetails treten bereits 2010 in Kraft.

Von Claudia Pieper

Wer profitiert wann von der US-Gesundheitsreform?

Das US-Gesundheitswesen wird sich mit Obamas Reform in den nächsten Jahren verändern. © photos.com

Die Aufregung um das neue US-Gesundheitsreformgesetz hat sich gelegt. Für die Verwaltungen beginnt jetzt die eigentliche Arbeit: das Gesetz im Detail auszugestalten und umzusetzen. Die Bevölkerung wartet derweil. Viele fragen sich, wie das Gesetz sie im einzelnen betreffen wird.

Die Antwort: Für alle Bürger, die bereits zufriedenstellend versichert sind, ändert sich oft nichts oder nicht viel. Andere hingegen - insbesondere diejenigen, die bisher aus Kosten- oder Krankheitsgründen aus dem Versicherungssystem ausgeschlossen waren - profitieren grundlegend von den neuen geesetzlichen Regelungen.

Nicht alles, was das Gesetz verspricht oder androht, wird jedoch von heute auf morgen Realität. Viele Maßnahmen treten erst in einigen Jahren in Kraft, andere dagegen bereits in den nächsten Monaten. Ein geschickter Schachzug der Gesetzgeber besteht ohne Zweifel darin, dass viele kontroverse Reformbestandteile erst später implementiert werden - wie zum Beispiel die allgemeine Versicherungspflicht sowie diverse Steuererhöhungen.

Ein Überblick der wichtigsten Regelungen nach dem Zeitpunkt ihrer Etablierung: Noch 2010 werden mehrere Regeln in Kraft treten:

  • Junge Erwachsene können bis zu ihrem 26. Geburtstag bei ihren Eltern mitversichert sein; Versicherungen dürfen Kinder nicht mehr wegen Vorerkrankungen ablehnen. Erwachsene mit Vorerkrankungen erhalten vorerst Versicherungszugang in speziell eingerichteten Pools.
  • Versicherungen dürfen nicht mehr absolute Leistungsgrenzen setzen. Sie dürfen Mitgliedern nicht mehr wegen Krankheit kündigen oder Verträge rückgängig machen.
  • Neue Versicherungspläne müssen Vorsorgemaßnahmen voll tragen.
  • Senioren erhalten eine Finanzhilfe von 250 Dollar für den Kauf von Arzneimitteln, wenn sie sich in der gesetzlich festgelegten Versicherungslücke ("Doughnut Hole") befinden. Unter dem noch unter Präsident Bush verabschiedeten Gesetz mussten Senioren bisher Medikamente im Ausgabenbereich zwischen 2700 und 6154 Dollar selbst bezahlen.
  • Kleinunternehmen (unter 50 Mitarbeiter) erhalten Steuerhilfen, um den Abschluss von Versicherungen für ihre Arbeitnehmer zu subventionieren (bis zu 35 Prozent der Versicherungsprämie).
  • Die Seniorenversicherung Medicare wird ab 2011 jährliche Vorsorgeuntersuchungen und andere auf den Patienten zugeschnittene Vorsorgemaßnahmen voll tragen.
  • Bundesstaaten werden bevollmächtigt, Medicaid-Patienten Betreuungsdienstleistungen im eigenen Heim anzubieten - als Alternative zum derzeit üblichen Pflegeheim (Medicaid ist die gesetzliche Krankenversicherung für Behinderte und Arme).
  • Senioren erhalten 50prozentige Abschläge für Markenarzneimittel.
  • Ab 2014 müsen sich die meisten US-Bürger gegen Krankheit versichern oder eine Geldstrafe in Kauf nehmen (95 Dollar pro Person in 2014, 325 Dollar in 2015, 695 Dollar oder bis zu 2,5 Prozent des Einkommens in 2016).

    Schreiben Sie einen Kommentar

    Überschrift

    Text

    Die Newsletter der Ärzte Zeitung

    Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

    Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

    Wenn Einsamkeit krank macht

    Ein Alterspsychotherapeut warnt: Ältere Männer sind besonders häufig suizidgefährdet. Einsamkeit ist ein Grund dafür. mehr »

    Diabetes-Experten sind besorgt

    Schon bald könnten mehr Lebensmittel "schlechten Zucker" enthalten. Für die Industrie wird der Einsatz von Isoglukose profitabler. mehr »

    PKV bekennt sich zur Innovationsoffenheit

    Wird es mit der neuen GOÄ erschwert, Privatpatienten neue Leistungen anzubieten? Vom PKV-Verband kommt dazu ein klares Dementi. mehr »