Ärzte Zeitung online, 13.02.2018

Transplantation

Niederlande pro Widerspruchslösung bei Organspende

Ähnlich wie in Deutschland galt in den Niederlanden bisher für die Organspende eine Zustimmungslösung. Das wird sich nach einer aktuellen Abstimmung im Senat wohl ändern.

Niederlande stimmen über Organspende ab

Ein Herz in den Farben der Niederlande: Im Senat der Niederlande wurde heute über die künftige Regelung der Organspende entschieden.

© guukaa / stock.adobe.com

DEN HAAG. Der niederländische Senat hat heute über ein neues Organspendegesetz entschieden. Zur Abstimmug stand ein Entwurf der linksliberalen Partei D66, laut dem aus der derzeitigen Zustimmungsregelung eine Widerspruchsregelung gemacht werden soll.

Das neue Gesetz sieht vor, dass alle Bürger gefragt werden, ob sie Organe nach ihrem Tod spenden wollen oder nicht. Wer sich nicht entscheidet, wird automatisch als Spender registriert (Widerspruchslösung). Nach Angaben der niederländischen Nierenstiftung sind heute 60 Prozent der Niederländer nicht registriert.

Das Parlament hatte bereits im Jahr 2016 mit knapper Mehrheit für die Änderung gestimmt. Nach letzten Umfragen sind 51 Prozent der Niederländer für das neue Gesetz, 43 Prozent dagegen.

Laut einem Bericht des "ZDF" sterben jedes Jahr 150 Patienten in dem Nachbarland, weil das Spenderorgan zu spät kommt. 1100 Patienten stehen derzeit auf der Warteliste. 100 müssen jährlich von den Wartelisten genommen werden, weil sich ihr Gesundheitszustand so verschlechtert, dass eine Transplantation für sie nicht mehr in Frage kommt. Laut einer Statistik des Europarats kommen auf eine Million Niederländer derzeit nur 14,7 Spender.

In Deutschland informieren die Krankenkassen seit der Neuregelung des Transplantationsgesetzes 2012 ihre Kunden darüber, wie man Organspender wird und warum das wichtig ist. Jeder kann dann selbst entscheiden, ob er Organspender sein möchte (Entscheidungslösung).

Nach aktuellen Statistiken der Deutschen Stiftung Organtransplantation (DSO) war in Deutschland die Anzahl der Organspender je eine Million Einwohner 2017 erstmals unter die Marke von 10 gesunken.

Am Nachmittag meldete die Korrespondentin des ZDF nun per Twitter das Abstimmungergebnis: Danach stimmte eine knappe Mehrheit für die Widerspruchslösung. Der Senat hat das neue Organspendegesetz mit 38 Ja-Stimmen gegen 36 Nein-Stimmen angenommen.

(bar/ger)

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Hepatitisviren lauern auf Fingernägeln und Nagelscheren

HBV-Infizierte sollten ihre Nagelscheren nicht mit anderen teilen – offenbar besteht ein Infektionsrisiko. Auch bei Zahnbürsten und Rasierapparaten gilt Vorsicht. mehr »

Infarktgefahr durch schnellen Anstieg von Stickoxiden

Hohe Stickoxidkonzentrationen in der Umgebungsluft können unter anderem das Herzinfarktrisiko erhöhen. Aber auch ein schneller NO-Anstieg scheint gefährlich zu sein. mehr »

Viele Typ-1-Diabetiker erkranken erst im Alter über 30

Typ-1-Diabetes manifestiert sich offenbar öfter im mittleren Alter als bisher gedacht. Dafür spricht eine Analyse von Risikogenen bei britischen Patienten. mehr »