Ärzte Zeitung online, 15.02.2018

Hilfsorganisation

Deutsche Friedensdörfer für Kinder in Not

In ihrer Heimat haben Kinder aus Krisenregionen oft keine Aussicht auf Heilung. Seit mehr als 30 Jahren organisiert eine Hilfsorganisation deshalb medizinische Behandlungen in Deutschland. Gestern landete wieder eine Maschine in Düsseldorf.

Deutsche Friedensdörfer für Kinder in Not

Ein Junge mit Krücken wird von Mitarbeitern des DRK am Flughafen getragen: Die Hilfsorganisation Friedensdorf Oberhausen hat mehr als 120 schwerkranke Kinder nach Deutschland geholt.

© Marcel Kusch / dpa Bildfunk

DÜSSELDORF. Düsseldorf, am Mittwochabend: Soeben ist ein Hilfsflug der Organisation Friedensdorf International gelandet. An Bord der Chartermaschine sind 127 schwerkranke Kinder, denen Ärzte in ihren Heimatländern Afghanistan, Usbekistan, Tadschikistan und Kirgistan nicht mehr helfen können. Kliniken in ganz Deutschland haben sich bereit erklärt, diese Kinder unentgeltlich zu behandeln. Das jüngste ist erst eineinhalb, die ältesten schon zwölf Jahre alt.

Viele kommen selbstständig die Gangway hinabgelaufen, begleitet von Mitarbeitern des Roten Kreuzes. Nicht wenige müssen mitsamt ihrer Gehhilfen von den Rettungskräften die Treppe hinabgetragen werden. Ein Junge weint erbärmlich. Vor Schmerz, sagt Friedensdorf-Leiter Thomas Jacobs. "Im Flieger war es gut, durch das Hochheben tut es jetzt weh", erklärt er.

Die anderen Kinder schauen still umher, unsicher, zaghaft. So viele Erwachsene in Sanitäter-Uniformen. Einige Kinder lächeln. Ein Mitarbeiter der Security mit afghanischen Wurzeln spricht die jungen Patienten in ihrer Muttersprache an: "Wie geht es Dir? Bist Du müde?" Gut, habe ein Junge gesagt. Und müde sei er nicht, er habe im Flugzeug geschlafen.

Schwer krank heißt etwa bei einem siebenjährigen Kind aus Usbekistan, dass es vor zwei Jahren schlimme Verbrennungen erlitten hat. Es kann kaum laufen, Vernarbungen haben einen künstlichen Darmausgang nötig gemacht. Ein neunjähriges Kind aus Afghanistan hat seit vier Monaten eine eitrige Knochenentzündung. Am rechten Unterschenkel liegen zehn Zentimeter Knochen frei. Einem kleinen Mädchen fehlt ein Fuß. Ein Junge trägt Gehhilfen, die aus Ästen gezimmert sind. Die Kinder haben ansonsten nur dabei, was sie am Leibe tragen. Vielen der Kinder stehen mehrere Operationen bevor.

Mindestens halbes Jahr im Friedensdorf

Ein Flugzeug voller Leid, ein Flugzeug voller Hoffnung: Ein halbes Jahr bleiben die Kinder mindestens in Deutschland, manche auch länger. Nach der Behandlung werden sie wieder in ihre Heimatländer zu ihren Familien gebracht. Vor und nach den Klinik-Aufenthalten leben sie im Friedensdorf in Oberhausen.

Auch am Mittwoch fahren 80 Kinder zunächst dorthin. Die anderen 47 werden mit Krankenwagen gleich in die Kliniken gebracht, die die Kinder behandeln wollen. Nach 14 Stunden Flug bedeutet dies für viele Kinder noch einmal viele Stunden Autobahn. Von Düsseldorf geht es etwa nach Schleswig-Holstein oder Berlin. 25 Krankenwagen machen sich noch am Abend auf den Weg.

Sinnstifftend für Ärzte

Unter den Friedensdorf-Helfern am Flughafen ist auch der japanische Arzt Yukihisa Yagura. Schon zum 30. Mal arbeitet der Orthopäde für zwei Wochen als Freiwilliger in Oberhausen, unentgeltlich. Wie er dazu kommt? Es mache ihn glücklich, die Kinder nach den Operationen und Behandlungen wieder fröhlich zu sehen, sagt er.

Das Friedensdorf holt nicht zum ersten Mal Kinder aus Krisen- und Kriegsgebieten zur medizinischen Behandlung nach Deutschland. Insgesamt ist es bereits der 77. Hilfsflug. So viele Kinder wie diesmal hatte die 1967 gegründete Hilfsorganisation zuletzt 2003 nach Deutschland gebracht. Die Maschine der Somon Air fliegt an diesem Samstag wieder zurück. An Bord sind dann wieder Kinder, diesmal auf dem Weg nach Hause. (dpa/lnw)

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