Ärzte Zeitung, 13.11.2015

Für Flüchtlinge

"Komcard" - eine Alternative zur Chipkarte?

Viele Bundesländer wollen die Chipkarte für Flüchtlinge. Ein Unternehmen stellt nun eine anscheinend einfache und schnelle Lösung vor.

NEU-ISENBURG/GEESTLAND. In der Diskussion um die Einführung der Gesundheitskarte für Flüchtlinge legt das E-Health-Unternehmen vitabook ein neues Konzept vor. Es habe in Kooperation mit dem Innovationszentrum Niedersachsen eine kostenlose Gesundheitskarte für asylsuchende Menschen vorbereitet, die laut eigenen Angaben zum sofortigen Einsatz bereit stehen würde.

Als erste Kommune Deutschlands hat die niedersächsische Stadt Geestland die sogenannte "Komcard" bereits eingeführt.

Hintergrund der Bestrebungen ist die Tatsache, dass sich die Einführung der Chipkarte für Asylbewerber nach der aktuellen Regelung langwierig gestaltet: Nicht nur, dass die einzelnen Bundesländer aktuell individuelle Rahmenvereinbarungen mit den Krankenkassen aushandeln, auch die technische Umsetzung sorgt vermutlich für Verzögerungen.

Denn damit in der Arztpraxis erkannt werden kann, welchen rechtlichen Status der Flüchtling hat, muss ein neues Kennzeichen auf der Karte hinterlegt und in die EDV von Ärzten und Kassen eingepflegt werden (wir berichteten). Die Gesundheitskarte von vitabook will diesen Prozess umgehen, indem sie keinen Chip enthält, sondern lediglich Zugangsdaten für ein Webportal.

Über die Eingabe von Kartennummer und Sicherheitscode - beide sind auf der Karte abzulesen - oder über das Scannen eines QR-Codes können Ärzte, Apotheker und Behörden über www.vitabook.de/refugee Einblick in das elektronische Gesundheitskonto des Asylbewerbers erhalten.

"Die Karte erfüllt auf Anhieb den Bedarf nach schneller, unbürokratischer, medizinischer Hilfe und enthält zukunftsweisend zugleich die Möglichkeit einer elektronischen Patientenakte", zeigt sich Geschäftsführer Markus Bönig überzeugt.

Bisher gingen viele Untersuchungsergebnisse aufgrund der verschiedenen Zuständigkeiten verloren, kritisiert Bönig. Dieses Problem sei mit der zentralen Karte gelöst.

Denn bereits bei der Registrierung in den Behörden könne die Karte online in einem eigens programmierten E-Health-Gesundheitskonto mit den Daten der Person und ihrer Familie bestückt werden. "Soweit vorhanden, können akute Zustände sowie aktuelle Medikamente dem Gesundheitskonto hinzugefügt werden", erklärt er.

"Damit ist die Karte von Behördenseite her aktiviert und wird dem Asylsuchenden ausgehändigt - als sein sicherer Zugang zu medizinischer Versorgung." Abgerechnet werden könnten die Behandlungen direkt über die Kommunen - ohne den "Umweg" über die Krankenkassen. (jk)

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