Ärzte Zeitung, 07.09.2010

Patientensouveränität - nur mehr Information reicht nicht

Für Patientensouveränität fehlen im Gesundheitswesen die Rahmenbedingungen, so Rolf Stuppardt von der IKK.

Patientensouveränität - nur mehr Information reicht nicht

Mehr Patientensouveränität? Der Gesetzgeber hat dafür die falschen Rahmenbedingungen geschaffen.

© Dron / fotolia.com

HAMBURG (di). Patientensouveränität wird von Politikern gern gefordert, lässt sich aber schwer erreichen. Der Gesetzgeber hat dafür die falschen Rahmenbedingungen geschaffen. Ärzte fragen "Was fehlt uns denn?" Patienten kommen in die Praxis mit der Haltung "Dr., mach das weg."

In beiden Haltungen kommt zum Ausdruck, wie wenig souverän Patienten sind. GKV-Experte Rolf Stuppardt führt dies auf die Rahmenbedingungen in Deutschland zurück. Der Geschäftsführer der IKK e.V. nannte beim Gesundheitswirtschaftskongress in Hamburg mehrere Beispiele: Der Leistungskatalog wird vorgegeben, der Kassenbeitrag wird den Versicherten direkt vom Lohn abgezogen, die Therapie wird oft ohne seine Beteiligung beschlossen. "Das System sagt, was der Versicherte für Ansprüche hat, das System behält das Geld vom Lohn des Versicherten ein, es sagt, was er für Krankheiten hat und wie er wieder gesund werden darf", fasste Stuppardt zusammen.

Nach seiner Einschätzung hat der Gesetzgeber zu wenig getan, um die Patientensouveränität zu stärken. Als Ausnahmen nannte Stuppardt die Einführung der Patientenberatung und die Patientenbeteiligung im Gemeinsamen Bundesausschuss. Eine Stärkung der Patientensouveränität erwartet Stuppardt durch Selbstzahler, weil diese sich intensiv mit dem Preis-Leistungsverhältnis auseinandersetzen.

Deutlich wurde in Hamburg, dass Experten Patientensouveränität in Zukunft nicht allein durch mehr Informationen gewährleistet sehen. "Der Patient ist sicher nicht souverän, zum Teil mündig, aber wissender geworden", sagte Professor Eugen Hauke, Leiter des Karl Landsteiner Instituts in Wien.

Topics
Schlagworte
Krankenkassen (16828)
Organisationen
IKK (851)
Personen
Rolf Stuppardt (46)

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Drastisch veränderte Mundflora bei Krebs

Beim Plattenepithelkarzinom der Mundhöhle ist die Zusammensetzung des oralen Keimwelt im Vergleich zu Gesunden drastisch verschoben. mehr »

Engagement, das Früchte trägt

Jungen Menschen fehlt es an Gespür für ehrenamtliches Engagement? Ein Vorurteil, wie sich bei der Springer Medizin Gala gezeigt hat. Deutlich wurde auch, dass Engagement für Hilfsbedürftige auch den Sinn für das Politische schärft. mehr »

So wird Insulin für Diabetiker produziert

Hinter den Toren des Industrieparks Höchst bieten sich faszinierende Einblicke in die Welt der Hochleistungs-Biotechnologie: Milliarden von E.coli-Bakterien produzieren hier das für Diabetiker überlebenswichtige Insulin. mehr »