Ärzte Zeitung, 03.05.2011

Arztsuche von AOK und Barmer GEK geht online

KBV: Kein "Internet-Pranger"gegen Ärzte

BERLIN (sun). Die Online-Arztsuche von AOK, Barmer GEK und dem Projekt Weisse Liste der Bertelsmann Stiftung ist online. Damit können die rund 30 Millionen Versicherten der AOK und Barmer GEK auch Haus- und Fachärzte im Netz bewerten.

Arztsuche von AOK und Barmer GEK geht online

Im persönlichen Portalbereich können Ärzte unter anderem Fotos ihrer Praxis hochladen.

© [M] Arzt: D. Bonardelle/Fotolia.com | Screenshot: Weisse Liste

"Das Portal ist für Patienten, aber nicht gegen Ärzte entwickelt worden", betonte AOK-Vize Jürgen Graalmann bei der Vorstellung des "Arztnavi" genannten Instruments am Dienstag in Berlin.

Barmer GEK-Vize Rolf-Ulrich Schlenker nannte das Portal "ein wunderbares Werkzeug". Mehrfachbewertungen seien nicht möglich, Nutzer blieben anonym. Zudem könnten Ärzte "per Kommentar" reagieren, Schmähkritik sei ausgeschlossen. Das Portal sei zudem ab dem Jahr 2012 für weitere Kassen offen.

Versicherte der AOK Baden-Württemberg können den Arztnavi bisher nur zur Suche, nicht zur Bewertung nutzen. Gemeinsam mit Ärzten in Baden-Württemberg werde geprüft, "inwieweit eine Bewertungsfunktion auch für ihre Versicherten sinnvoll eingesetzt werden" könne, sagte der Vorstandschef der AOK Baden-Württemberg Dr. Rolf Hoberg.

Die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) bewertete die neue Online-Arztsuche positiv. Der Arztnavi sei kein "digitaler Pranger", sagte KBV-Vize Dr. Carl-Heinz Müller der "Ärzte Zeitung". Das Portal orientiere sich zudem an den Vorgaben des Ärztlichen Zentrums für Qualität. "Ein digitales Forum kann allerdings nie einen Arzt-Patienten-Kontakt ersetzen", so Müller.

Kritik kommt von der Bundesärztekammer. "Wirklich wichtige Kriterien" - wie die Hygiene in einer Praxis oder fachliche Qualifikation eines Arztes - könnten Patienten im Netz "kaum nachprüfen" .

Die "Ärzte Zeitung" berichtet über den Arztnavigator als Medienpartner der AOK und des Projektes Weisse Liste.

Lesen Sie dazu auch:
Arztnavi ab sofort bundesweit online
Online-Arztsuche - gezielte Hilfe für Patienten

[04.05.2011, 08:32:36]
Dr. Jürgen Schmidt 
Was bringt's ?
Auf die Ergebnisse und Auswirkungen darf man gespannt sein.

Soweit man den Patienten zu den Gründen ihrer Arztwahl glauben schenken darf, sind die Bewertungskriterien höchst unterschiedlich. Bereits das Vorhandensein von diagnostischen Geräten wird nicht selten als Kompetenzparameter gewertet. Häufig sind es auch andere irrationale Faktoren, wie Empathie und weitere mit der Befindlichkeit assoziierte Eindrücke, oder einfach der allgemeine Zuspruch, gemessen am vollen Wartezimmer.

Wer sich gelegentlich auf das heikle Gespräch mit dem Patienten einlässt oder einlassen muss, warum dieser oder jener Kollege konsultiert wurde, erfährt Gründe, die eher selten von rationaler Urteilskraft und Differenzierungsvermögen bestimmt sind.

Sicher sein darf man hingegen sein, dass durch einen intensivere Bewerbung und Benutzung von Ärztebewertungsportalen eine neue Runde im Praxismarketing eingeläutet wird und Praxiscoaching Konjunktur erwarten darf. zum Beitrag »

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