Ärzte Zeitung online, 30.12.2014

Rabattverträge

14. AOK-Ausschreibung steht

Für 103 von 116 ausgeschriebenen Wirkstoffen und Wirkstoffkombinationen hat der Kassenverband mit 29 Pharmaunternehmen Versorgungsverträge unter Dach und Fach gebracht. Sorgen macht der AOK das Versorgungsstärkungsgesetz.

STUTTGART/BERLIN. Kurz vor Weihnachten hat die AOK-Gemeinschaft nach eigenen Angaben "die Weichen für die Fortsetzung der erfolgreichen Arzneimittelrabattverträge" gestellt.

So habe die für die bundesweiten Verträge federführende AOK Baden-Württemberg die Zuschläge für die XIV.

Tranche auf den Weg gebracht. "Für 103 von 116 ausgeschriebenen Wirkstoffen und Wirkstoffkombinationen können wir mit 29 Pharmaunternehmen Versorgungsverträge unter Dach und Fach bringen", zeigte sich Vorstandschef Dr. Christopher Hermann in Stuttgart zufrieden.

Aus Sicht Hermanns gibt es zu den Rabattverträgen als Instrument der Ausgabensteuerung keine Alternative: "Die Krankenkassen haben in den ersten drei Quartalen dieses Jahres knapp zehn Prozent mehr für Arzneimittel ausgeben müssen als im gleichen Zeitraum 2013.

 Ohne die Arzneimittelrabattverträge wäre das Plus deutlich höher ausgefallen."

Mit Blick auf den vom Bundeskabinett am 17. Dezember verabschiedeten Entwurf für ein Versorgungsstärkungsgesetz äußerte sich Hermann zudem besorgt, dass die Ärzte künftig weniger austauschbare Arzneimittel verordnen könnten.

 "Die geplante Reform der Wirtschaftlichkeitsprüfungen darf nicht dazu führen, dass Vorgaben und Anreize zum Verordnen von ausgeschriebenen Arzneimitteln beschädigt werden."

Verträge treten zum 1. Juni in Kraft

Die neuen Verträge treten laut AOK am 1. Juni 2015 in Kraft und lösen überwiegend die Vereinbarungen der Tranchen X und XI ab. Das AOK-Umsatzvolumen der jetzt bezuschlagten Präparate habe zuletzt bei rund zwei Milliarden Euro gelegen.

Zu den besonders umsatzstarken Produkten der Tranche gehörten die Antidepressiva Escitalopram und Sertralin, der Blutdrucksenker Bisoprolol, das Schmerzmittel Ibuprofen, Simvastatin gegen erhöhte Blutfettwerte sowie der Magensäurehemmer Omeprazol.

Für 15 Wirkstoffe/-kombinationen der neuen Tranche habe die AOK die Zuschläge im Drei-Partner-Modell erteilt.

Dazu zählten unter anderem die Blutdrucksenker Amlodipin und Losartan, der Magensäurehemmer Omeprazol, der Blutfettsenker Simvastatin oder das Neuroleptikum Risperidon.

Für die Wirkstoffe/-kombinationen Acetazolamid, Atenolol+Nifedipin, Cefixim, Entacapon, Eprosartan, Hydrocortison, Mitomycin Octreotid, Sultamicillin und Tranylcypromin sei bei der Ausschreibung kein oder kein zuschlagsfähiges Angebot eingegangen.

Einsparungen in Milliardenhöhe

Aktuell habe die AOK-Gemeinschaft 259 generische Wirkstoffe und Wirkstoffkombinationen mit einem jährlichen AOK-Umsatzvolumen von mehr als fünf Milliarden Euro unter Vertrag.

Die laufenden Verträge der Tranchen X bis XIII deckten rund zwei Drittel des Generikamarktes ab.

Durch die bundesweiten Rabattverträge konnte die AOK-Gemeinschaft seit 2007 nach eigener Aussage "bei gleichbleibend hoher Versorgungsqualität mehr als 3,6 Milliarden Euro bei den Ausgaben für Arzneimittel" einsparen.

Zwar sind Arzneimittel-Rabattverträge schon seit 2003 möglich, doch erst die Gesundheitsreform 2007 mit dem GKV-Wettbewerbs-Stärkungsgesetz bringt deren Durchbruch. Liegt ein Rabattvertrag vor, dann muss der Apotheker seit April 2007 ein Präparat abgeben, für das die Kasse des Versicherten einen Rabattvertrag geschlossen hat. (maw)

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

NEU als Themen abonnierbar: Frauengesundheit und Kindergesundheit

Demenz in D-Moll

Mit Demenzpatienten im Konzert? Viele Angehörige scheuen das. Das WDR-Orchester bietet beiden eine ganz besondere Konzertreihe - mit drei verschiedenen Formaten. mehr »

Wird die Apple Watch zum Herzrhythmus-Monitor?

Die neue Smartwatch von Apple verfügt über einen EKG-Sensor. Über eine weitere App erkennt sie Vorhofflimmern. Wie sehen mögliche Einsatzszenarien aus? mehr »

Abtreibungsgegner darf Ärzte nicht Mörder nennen

Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte hat einem katholischen Abtreibungsgegner Grenzen für Kritik an Ärzten aufgezeigt, die Schwangerschaftsabbrüche anbieten. mehr »