Ärzte Zeitung online, 02.01.2017
 

Bürgerversicherung

Freie Ärzteschaft sieht Praxen in Existenz bedroht

Ein Papier der Friedrich-Ebert-Stiftung skizziert eine mögliche Bürgerversicherung. Die Freie Ärzteschaft übt daran harsche Kritik.

ESSEN. Sind viele Arztpraxen in Deutschland in Gefahr, wenn eine Bürgerversicherung eingeführt würde? Die Freie Ärzteschaft sieht allen Grund zur Besorgnis: "Eine Bürgerversicherung nach den Vorstellungen der Friedrich-Ebert-Stiftung würde die Existenz vieler Arztpraxen und Medizinischer Versorgungszentren (MVZ) in Deutschland gefährden", heißt es in einer aktuellen Mitteilung des Verbands, der den Arztberuf als freien Beruf vertritt. Anlass für diese Reaktion ist ein jüngst veröffentlichtes Positionspapier.

Wie der Weg zu einer Bürgerversicherung aussehen könnte, skizzierte nämlich kürzlich ein Papier der SPD-nahen Friedrich Ebert-Stiftung (wir berichteten). Eine Analyse der Böckler-Stiftung machte zudem deutlich, dass besonders die PKV-Branche Federn lassen müsste – etwa bei der Zahl ihrer Versicherten und Mitarbeiter. An dieser Stelle knüpft auch die Freie Ärzteschaft an. Eine mögliche Einführung der Bürgerversicherung führe zu Einnahmeausfällen in Praxen und MVZ, da die Einnahmen aus der PKV wegfielen, heißt es. Zudem geißelt der Verband des Weiteren Vergleiche, die sich in der Studie der Friedrich-Ebert-Stiftung fänden.

"Die Autoren des Positionspapiers weisen auf das Einheitssystem in den Niederlanden hin, aber verschweigen, dass es dort nur eine Grundversorgung gibt und die meisten Niederländer deshalb über eine private Zusatzversicherung verfügen", heißt es in der Mitteilung. Zudem verspreche das Positionspapier mit der Bürgerversicherung weiter eine Vollversorgung. "Dabei findet in der GKV bereits heute Rationierung statt, etwa durch Fallzahlbegrenzungen und Honorarbudgets für niedergelassene Ärzte." (mh)

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