Ärzte Zeitung online, 21.06.2018

Pflegeversicherung

PKV fordert Entlastung für ihre Versicherten

PKV-Vorstandschef ist verärgert, dass die Politik Extrawürste für GKV-Mitglieder brät und Privatversicherte außen vor lässt.

Von Ilse Schlingensiepen

BERLIN. Die privaten Krankenversicherer (PKV) mahnen bei der Politik Verbesserungen für ihre Kunden an. Maßnahmen zur Entlastung der Versicherten dürften nicht ausschließlich auf die gesetzliche Krankenversicherung begrenzt sein, betonte der Vorsitzende des PKV-Verbands Uwe Laue auf der PKV-Jahrestagung in Berlin.

Spätestens seit Einführung der Pflicht zur Versicherung vor zehn Jahren sei die PKV Teil des Systems der sozialen Sicherung, sagte Laue. Wer in der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) die Rückkehr zur Beitragsstabilität beschließe und niedrigere Beiträge für Selbstständige, muss auch etwas zur Entlastung privatversicherter Haushalte tun, findet er. "So erfreulich es aus unserer Sicht ist, dass der Koalitionsvertrag keine radikalen Systemveränderungen vorsieht, so schädlich und ungerecht ist es auf der anderen Seite, dass darin auch keine konkreten Verbesserungen für die neun Millionen Privatversicherten vorgesehen sind."

Vor allem fordert die Branche Veränderungen am System der Beitragsanpassungen in der PKV. Zurzeit kann es aufgrund der gesetzlichen Regelungen nach Jahren der Stabilität zu drastischen Beitragssprüngen kommen. Die PKV fordert, dass künftig neben der Entwicklung der Leistungsausgaben und der Sterbewahrscheinlichkeiten auch der Rechnungszins ein auslösender Faktor für Beitragsanpassungen sein kann. Zudem halten es die Versicherer für sinnvoll, die Schwellenwerte zu senken, ab denen eine Anpassung möglich ist.

Zu den weiteren Forderungen der Branche gehört, dass der Standardtarif wieder für alle Vollversicherten geöffnet wird. Kunden, die sich nach 2009 vollversichert haben, steht als Sozialtarif nur der deutlich teurere Basistarif zur Verfügung. Außerdem sieht Laue die Politik in der Pflicht, unter dem Stichwort "Wahlfreiheit" Versicherten nicht nur den Weg in die GKV zu erleichtern, sondern auch in der umgekehrten Richtung. Dabei könne eine deutliche Absenkung der Versicherungspflichtgrenze eine Rolle spielen.

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