Ärzte Zeitung, 25.04.2016

Abrechnungsbetrug

Schärfere Kontrollen

Null Toleranz bei betrügerischen Machenschaften in der Pflege: Die Bundesregierung will handeln. Auch Leistungen der häuslichen Krankenpflege rücken in den Fokus.

BERLIN. Die Bundesregierung will Abrechnungsbetrug bei Pflegediensten künftig verhindern. Dafür sollen die gesetzlichen Regelungen zur Kontrolle von Pflegeleistungen geschärft werden. Auch Leistungen der häuslichen Krankenpflege sollen künftig überprüft werden - das ist bisher nicht der Fall.

Dies ist ein Ergebnis eines Treffens von Gesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) mit Vertretern von Pflegeverbänden, Bundeskriminalamt (BKA) und Gesetzlicher Krankenversicherung (GKV) am Freitag in Berlin.

Vor einer Woche war bekannt geworden, dass den deutschen Sozialkassen durch mutmaßlichen Abrechnungsbetrug von Pflegedienste insbesondere im Bereich der ambulanten häuslichen Pflege erheblicher Schaden entstanden ist. Unter anderem sollen Leistungen für schwer pflegebedürftige Patienten abgerechnet worden sein, die nicht erbracht wurden.

Ministeriumssprecherin Katja Angeli sagte, es gehe auch darum, zu prüfen, ob die bereits bestehenden Regelungen tatsächlich greifen. Sie bekräftigte, das Thema Pflegebetrug solle auch im Rahmen der Gesundheitsministerkonferenz von Bund und Ländern aufgegriffen werden.

Der Vorstand des GKV-Spitzenverbandes, Gernot Kiefer, erklärte: "Es ist gut, dass der Minister so rasch alle Beteiligten an einen Tisch gebeten hat, um die notwendigen Schritte miteinander zu besprechen."

Alle seien sich einig, dass es "Null Toleranz" bei betrügerischen Machenschaften in der Pflege geben dürfe. Das gemeinsame Ziel sei, "falsche Abrechnungen zulasten der Pflegebedürftigen und der Sozialkassen besser zu verhindern".

Kiefer betonte wie Angeli, bei aller berechtigten Aufregung über die bekannt gewordene Dimension des Betrugs müsse klar sein, dass die allermeisten Pflegedienste seriöse und gute Arbeit leisten und den Pflegebedürftigen eine wichtige Hilfe seien.

Der Vorstand der Deutschen Stiftung Patientenschutz, Eugen Brysch sagte der dpa: "Gröhe muss den Blick auch auf Haus- und Fachärzte richten. Es gibt offensichtlich reichlich Mediziner, die zum Rezeptblock greifen, ohne den Patienten immer genau zu kennen.

 Schließlich verordnen sich ambulante Dienste nicht selbst die medizinisch-pflegerische Behandlung." Seriöse Kritiker, die den Pflegebetrug seit Jahren anprangern, habe Gröhe nicht ins Boot geholt. Das ist höchst bedauerlich."

Unterdessen forderte auch Transparency International bessere Kontrollmechanismen bei ambulanten Pflegediensten und transparentere Abrechnungssysteme. (dpa)

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