Ärzte Zeitung online, 23.02.2017
 

Pflegereform? Nie gehört!

Bürger sehen sich schlecht über Pflege informiert

Vor allem ältere Menschen interessiert das Thema Pflege – sie könnten die Agenda der Bundestagswahl prägen.

BERLIN. Viele Bürger attestieren sich, über die jüngste Pflegereform unzureichend informiert zu sein. 22 Prozent sehen sich schlecht informiert über das Pflegestärkungsgesetz II. Weitere 46 Prozent nennen sich "weniger gut" informiert über die Pflegereform. Bei Menschen, die über eigene Pflegeerfahrung verfügen, ist der Informationsstand nur wenig besser. Das geht aus einer repräsentativen Befragung des Zentrums für Qualität in der Pflege (ZQP) hervor. 2000 per Stichprobe ermittelte Personen über 18 Jahre gaben dafür Auskunft.

Gefragt nach sehr wichtigen Themen mit Blick auf die Entscheidung bei der Bundestagswahl am 24. September rangiert die Betreuungssituation pflegebedürftiger Menschen mit 43 Prozent im Mittelfeld. Noch wichtiger ist es den Befragten, die Gesundheitsversorgung zu sichern (51 Prozent), Kriminalität zu bekämpfen (54 Prozent) sowie Bildung (56 Prozent).

Das Interesse am Thema Pflege ist stark mit dem Lebensalter verbunden. Unter den 18- bis 39-Jährigen geben 65 Prozent an, sehr oder etwas am Thema Pflege interessiert zu sein. Bei den 40- bis 59-Jährigen zeigen sich schon 84 Prozent, bei den über 60-Jährigen sogar 95 Prozent der Befragten sehr am Pflege-Thema interessiert. Dabei muss berücksichtigt werden, dass die über 50-Jährigen insgesamt 56 Prozent aller Wahlberechtigten repräsentieren. Die politische Agenda der Älteren kann am 24. September damit wahlentscheidend sein.

In der eigenen Wahrnehmung meinen 52 Prozent der Befragten, dass selten über das Thema Pflege in den Medien berichtet wird. Nur fünf Prozent nehmen eine "sehr häufige", 40 Prozent eine "eher häufige" Berichterstattung wahr. Jeder Zweite bezieht seine Informationen aus Gesprächen mit Freunden, Kollegen oder Verwandten. Zeitungen oder Zeitschriften – gedruckt oder online – werden von 46 Prozent als Quelle angegeben, gefolgt von Fernsehen (44 Prozent) und Radio (neun Prozent). Soziale Netzwerke sind bei der Informationsbeschaffung nachrangig. (fst)

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