Ärzte Zeitung online, 28.05.2018

Pflege-Thermometer 2018

Stationärer Pflege fehlen 25.000 Mitarbeiter

Wegen der Personalengpässe erfolgte laut Pflege-Thermometer 2018 in jeder fünften Einrichtung bereits ein zeitweiliger Aufnahmestopp.

NEU-ISENBURG. Während die Statistik der Bundesagentur für Arbeit davon ausgeht, dass in der Altenpflege derzeit rund 15.000 Fachkräfte fehlen, sieht das aktuelle Pflege-Thermometer des Deutschen Instituts für angewandte Pflegeforschung e.V. (DIP) einen noch größeren Bedarf an Fachkräften: Aktuell seien rund 17.000 Stellen nicht besetzt – gerechnet in Vollzeitkräften und nur in Einrichtungen der teil- und vollstationären Pflege.

Hier sind zwar auch die Gesundheits- und Kinderpflegefachkräfte dabei (rund 2500), durch die hohen Teilzeitquoten seien insgesamt aber mindestens 25.000 weitere Personen notwendig, um die Personallücke in der stationären Pflege zu decken.

Das Institut hat für seine bundesweite, repräsentative Studie 1067 Leitungskräfte in Pflegeheimen befragt. Fast 42 Prozent gaben an, dass sie aufgrund der derzeit hohen Auslastung nur wenige oder gar keine eingestreuten Kurzzeitpflegeplätze anbieten können.

Wartelisten für die vollstationäre Langzeitpflege existieren in 71 Prozent der Einrichtungen. "In mehr als jedem fünften Betrieb erfolgte aufgrund des Personalmangels in den vergangenen drei Monaten ein zeitweiliger Aufnahmestopp", sagt Studienleiter Professor Michael Isfort.

Zusätzlich würden die Leitungskräfte gegenüber dem Vorjahr erhöhte Krankheitsausfälle und steigende Anforderungen durch Einspringen an freien Tagen wahrnehmen, berichtet Isfort. Gleichzeitig nimmt laut 81 Prozent der Studienteilnehmer die Anzahl der Heimbewohner mit komplexen medizinischen Problemlagen zu. In rund zwei Drittel der Einrichtungen ist der Anteil der Bewohner mit kognitiven Einschränkungen deutlich gestiegen.

Kein Wunder, dass über die Hälfte der Befragten Bewohner mit "herausfordernden Verhaltensweisen" als einen der Hauptbelastungsgründe für die Mitarbeiter nennt. Knapp 50 Prozent empfinden die aufwendige Angehörigenarbeit als zunehmende Belastung. Gewalt gegenüber Gesundheitsberufen ist auch in den Heimen Thema: Über 42 Prozent der Befragten geben an, dass dies in ihren Einrichtungen relevant ist.

Die Studie wurde von der B. Braun-Stiftung und vom Pflegelotsen des Verbands der Ersatzkassen unterstützt. (reh)

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

NEU als Themen abonnierbar: Frauengesundheit und Kindergesundheit

Dieses Training hält jung

Forscher haben in einer Studie Trainingsformen identifiziert, die die Zellalterung verlangsamen: Wer sein Leben verlängern will, sollte wohl eher aufs Laufband als in die Muckibude. mehr »

Zoster-Impfempfehlung für Senioren und chronisch Kranke!

Gürtelrose ist weit verbreitet und die Therapiemöglichkeiten gegen die neuropathischen Schmerzen sind begrenzt. Die STIKO rät daher nun zum Impfschutz in Risikogruppen. mehr »

Widerspruchsregelung spaltet Ethikrat

Auch im Deutschen Ethikrat wird über die Organspende kontrovers diskutiert: Manche Mitglieder sehen eine Widerspruchslösung pragmatisch und als zumutbar für die Bürger, andere Probleme mit der Verfassung. mehr »