Ärzte Zeitung, 29.12.2014
 

Rehabilitation

Systematisches Monitoring ist längst Realität

Was für Kliniken noch ein Plan ist, ist in der Reha Realität: ein Programm zur kontinuierlichen Qualitätsverbesserung.

BERLIN. Die Experten beim Qualitätskongress Ende November in Berlin waren sich weitgehend einig: Die Datenlage reicht bei weitem nicht aus, um - wie politisch gewollt - die Krankenhausplanung künftig verstärkt an Qualitätsgesichtspunkten auszurichten.

"Wir haben kaum Qualitätsdaten bei chronischen Erkrankungen", ärgerte sich bei der Tagung auch Professor Matthias Schrappe von der Universität Köln.

Wenn Dr. Here Klosterhuis, Leiter des Bereichs Reha-Qualitätssicherung der deutschen Rentenversicherung (DRV) Bund so etwas hört, wundert er sich.

Schließlich arbeitet die DRV schon seit 1994 an einem umfassenden Programm der Qualitätssicherung: "Die Qualitätssicherung in der medizinischen Rehabilitation ist deutlich weiter entwickelt als dies in anderen Sektoren der Fall ist", sagt Klosterhuis.

Struktur, Prozess, Ergebnisse

Derzeit nehmen nahezu 2000 Reha-Einrichtungen und -Fachabteilungen vorwiegend aus der medizinischen Reh an der Qualitätssicherung teil.

Die Prozessqualität wird mit einem Peer-Review-Verfahren gemessen. Speziell geschulte Reha-Kliniker (Peers) erhalten dazu die Entlassungsberichte von Patienten anderer Reha-Einrichtungen und beurteilen, ob aus ihrer Sicht angestrebte Reha-Ziele erreicht worden sind.

Die für jeden Rehabilitanden dokumentierten therapeutischen Leistungen werden mit den inhaltlichen Vorgaben aus den indikationsbezogenen Reha-Leitlinien detailliert einrichtungsbezogen abgeglichen.

Diese Qualitätsergebnisse werden dem jeweils federführenden RV-Träger gemeldet. "Diese Werte haben durchaus eine Relevanz für die Zuweisung und die Vergütung an die unterschiedlichen Reha-Einrichtungen", sagt Dr. Hans-Günter Haaf, Leiter des DRV-Referats Gesundheitsökonomie und Systemfragen.

Antworten von 150. Rehabilitanden werden jährlich ausgewertet

Die Strukturqualität hat die DRV 2010 erstmals in einem Anforderungskatalog veröffentlicht, der jetzt überarbeitet worden ist. Er listet auf, welche Leistungen wie beispielsweise Anzahl des Personals, Qualifikationen, Angebote eine Reha-Klinik vorhalten muss.

Zur Ergebnisqualität werden jedes Jahr Patienten etwa acht bis zwölf Wochen nach einer Rehabilitation befragt, ob sie zufrieden waren und wie sie den Erfolg der Intervention beurteilen.

"Wir werten jährlich die Antworten von rund 150.000 Rehabilitanden aus nahezu 800 Reha-Einrichtungen aus. So erhalten wir viele Qualitätsindikatoren, die sich auf die Behandlung von chronischen Erkrankungen beziehen", sagt Klosterhuis.

Erstmals wurden 2014 Daten aus der Kinder- und Jugendlichen-Reha einbezogen. 7458 Antworten konnten ausgewertet werden. Das Notenspektrum liegt zwischen 1,6 und 2,2. (wer)

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Es kommt Schwung in die Entwicklung neuer Psychopharmaka

Bald könnte es einen Schub für die Entwicklung neuer Psychopharmaka geben. Denn Forscher finden immer mehr über die Entstehung psychischer Erkrankungen heraus. mehr »

Spielt Krebs eine Rolle beim plötzlichen Kindstod?

Ein plötzlicher Kindstod bei einer unbekannten neoplastischen Erkrankung ist selten, aber kommt vor. Das ist das Ergebnis einer britischen Studie. mehr »

Patienten sollen Verdacht auf Nebenwirkung melden

Alle europäischen Arzneimittelbehörden fordern in einer gemeinsamen Kampagne Patienten auf, ihnen verstärkt Verdachtsfälle von Nebenwirkungen zu melden. mehr »