Ärzte Zeitung online, 02.01.2018

Verbraucherschützer

Neuer Anlauf für die Lebensmittel-Ampel

BERLIN. Die Verbraucherzentralen setzen auf einen neuen Anlauf für eine Ampelfarben-Kennzeichnung für Salz, Zucker und Fett in vielen Lebensmitteln. Es wäre "ein großer Schritt nach vorne", wenn die nächste Bundesregierung hier mit guter Verbraucherinformation ernst mache, sagte der Chef des Verbraucherzentrale Bundesverbands (vzbv), Klaus Müller. Angesichts von Initiativen in Europa auch direkt aus der Branche drohe Deutschland sonst zum Schlusslicht zu werden.

Das für eine gesündere Ernährung seit längerem diskutierte Modell, Nährwerte je nach Gehalt prägnant in Rot, Gelb oder Grün auf der Packung anzugeben, steht im Wahlprogramm der SPD und könnte in Koalitionsgesprächen mit der Union zum Thema werden. Müller: "Niemand käme auf die Idee, einen Apfel oder Wasser oder Fleisch zu kennzeichnen." Anders sei dies bei zusammengesetzten Produkten wie Fertigpizza. Es gebe heute schon Varianten mit höherem oder niedrigerem Gehalt an Fett und Salz. "Darum ist die eigentliche Wirkung der Ampel-Kennzeichnung, dass die Hersteller sich überlegen: Kann ich meine Rezeptur verbessern?"

Eine solche Farb-Kennzeichnung, die leichter verständlich sein soll als die verpflichtenden Nährwerttabellen auf den Packungen, ist seit Jahren umstritten. Bundesagrarminister Christian Schmidt (CSU) warnte vor unzulässiger Vereinfachung. Die deutsche Lebensmittelwirtschaft sieht das Modell äußerst kritisch. Die Lebensmittelkonzerne Mondelez, Coca-Cola, Mars, Nestlé, Pepsi und Unilever hatten sich jedoch Anfang Dezember für eine einheitliche europäische Ampel-Kennzeichnung auf Grundlage eines Modells in Großbritannien stark gemacht.

Müller sagte, die Initiative der Hersteller sei "ein bisschen geschummelt, weil sie immer noch versuchen, uns unterschiedliche Portionsgrößen unterzujubeln". Bezogen sein müsse die jeweilige Farbe immer einheitlich auf 100 Gramm oder 100 Milliliter. Der vzbv-Chef fügte hinzu: "Man muss natürlich aufpassen, dass das System auch für die kleineren Lebensmittelhersteller beherrschbar ist."(dpa)

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

NEU als Themen abonnierbar: Frauengesundheit und Kindergesundheit

Neue Arzneien zum Schutz vor Brüchen

Osteoporose wird oft übersehen. Der Welt-Osteoporose Tag rückt die Erkrankung ins Bewusstsein. Zum Schutz vor Frakturen werden derzeit neue Substanzen erprobt. mehr »

Vergangenheit, die nicht vergeht

Ramstein, Eschede, Loveparade in Duisburg: Großunglücke lassen bei Opfern und oft auch bei Einsatzkräften seelische Wunden zurück. Psychotraumatologen können den Betroffenen in der Regel gut helfen. mehr »

Politik hat die Bedeutung der Arzneimittelforschung erkannt

Gute Versorgungsideen sind in der Politik willkommen, stellte Gesundheitsminister Jens Spahn bei der Springer Medizin Gala zum Galenus-von-Pergamon-Preis klar. mehr »