Ärzte Zeitung online, 17.07.2018

Brandenburg

Prävention greift besser bei Kindern

Der aktuelle Kindergesundheitsbericht weist für das Bundesland eine gestiegene Nutzung von Präventionsleistungen aus. Positiv ist auch die Entwicklung beim Konsum von Suchtmitteln. Eine andere gefährliche Neigung nimmt hingegen deutlich zu.

Von Angela Mißlbeck

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90 Prozent der Kleinkinder in Brandenburg werden von den Eltern nach neuesten Erkenntnissen zu den empfohlenen Früherkennungsuntersuchungen gebracht.

© Universitätsklinikum Heidel

POTSDAM. Bei jedem zehnten Kind in Brandenburg unter 14 Jahren haben Ärzte eine psychische Störung festgestellt. Die häufigste Diagnose ist die hyperkinetische Störung (ADHS). Das zeigt der aktuelle Kindergesundheitsbericht für Brandenburg, den das Gesundheitsministerium des Landes nun vorgelegt hat.

Der Bericht enthält zusätzlich zu den Daten der Gesundheitsämter aus Einschulungs- und Schulentlassungs-Untersuchungen erstmals auch Daten der Kassenärztlichen Vereinigung, der Krankenkassen und der Krankenhäuser in Brandenburg. "Der Bericht liefert wichtige Daten zur Gesundheit der Kinder und ist damit eine Grundlage für Schwerpunktsetzungen und weitere Maßnahmen unserer Gesundheitspolitik", sagte Gesundheitsministerin Diana Golze (Linke).

Die guten Nachrichten des Berichts: Präventionsleistungen werden besser genutzt und zeigen Wirkung. So werden 90 Prozent der Kleinkinder von den Eltern zu den empfohlenen Früherkennungsuntersuchungen gebracht, Impfquoten sind gestiegen und der Anteil von Fünfjährigen mit kariesfreien Zähnen ist zwischen 2007 und 2016 von 57 auf 68 Prozent gestiegen.

Griff zur Zigarette nimmt ab

Der Suchtmittelkonsum Brandenburger Kinder und Jugendlicher sinkt. Der Anteil von Mädchen und Jungen, die mindestens einmal pro Woche Alkohol zu sich nehmen, ist seit 2005 von 26 auf 12 Prozent zurückgegangen. Nur noch 13 Prozent der Jugendlichen statt 33 Prozent im Jahr 2005 greifen täglich zur Zigarette.

Allerdings wächst nach Beobachtungen des Gesundheitsministeriums die Gefahr exzessiver Mediennutzung. Rund 40 Prozent der Schüler in Oberschulen und Förderschulen verbringen täglich mehr als drei Stunden vor dem Fernseher, der Spielekonsole oder dem Computer. In Gymnasien waren es etwas mehr als 20 Prozent.

Die schlechten Nachrichten: Die Gesundheitschancen von Kindern sind in Brandenburg wie anderswo in Deutschland immer noch eng an den Sozialstatus gekoppelt. Kinder aus benachteiligten Familien in Brandenburg leiden häufiger unter psychischen Problemen als andere Kinder, und sie haben zweieinhalb mal so viele chronische Erkrankungen. Adipositas tritt bei 7,5 Prozent der Einschulungskinder aus armen Familien, aber lediglich bei 1,9 Prozent der Kinder aus Familien mit hohem Sozialstatus auf.

"Es darf nicht vom Wohnort, vom Geschlecht oder vom Einkommen der Eltern abhängen, wie gesund oder krank ein Kind ist", so Gesundheitsministerin Golze. Sie verwies auf bestehende Fördermaßnahmen, kündigte aber auch an, dass die Hilfsangebote noch besser miteinander abgestimmt werden sollen.

43 Prozent mit Auffälligkeiten

Insgesamt 43 Prozent der Brandenburger Kinder wiesen bei den Schuleingangsuntersuchungen 2015 körperliche Beeinträchtigungen auf. Bei den Zehntklässlern waren mehr als die Hälfte von Einschränkungen betroffen. Neben Sehfehlern sind atopische Erkrankungen wie Asthma, Heuschnupfen oder Neurodermitis weit verbreitet.

Nach Daten der Kassenärzte litten im Jahr 2016 sechs Prozent der Kinder unter Asthma und 13 Prozent unter Neurodermitis. In den Landkreisen schwankt die Häufigkeit dieser Krankheiten den Angaben zufolge zwischen 15 Prozent und 25 Prozent.

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