Ärzte Zeitung online, 05.08.2019

Bayern

Migranten werden zu Gesundheitsmediatoren

Bayern weitet interkulturelles Gesundheitsprojekt aus. Infos werden in 45 Sprachen weitergegeben.

MÜNCHEN. In den bayerischen Städten Hof, Bayreuth und Landsberg am Lech sind drei neue Projektstandorte des interkulturellen Gesundheitsprojekts „Mit Migranten für Migranten“ (MiMi Bayern) eingerichtet worden. Nach Angaben des bayerischen Gesundheitsministeriums werden nun an insgesamt 15 Orten in Bayern gut integrierte Migranten zu interkulturellen Gesundheitsmediatoren geschult.

Einen großen Erfolg nennt die Bayerns Gesundheitsministerin Melanie Huml (CSU) die Ausweitung des MiMi-Projektes auf drei weitere bayerische Standorte. Derzeit gibt es nach Angaben ihres Ministeriums im Freistaat rund 500 Gesundheitsmediatoren, 100 weitere sollen im kommenden Jahr ausgebildet werden.

Die Mediatoren sind gut integrierte Migranten, die in Schulungen die Strukturen des deutschen Gesundheitswesens kennenlernen sowie in gesundheitsrelevante Themen wie Vorsorge- und Früherkennungsuntersuchungen, Umgang mit Medikamenten, seelische Gesundheit, Unfallprävention oder Erste Hilfe beim Kind unterrichtet werden. Gesunde Lebensweisen wie Bewegung, Ernährung, Risiken des Tabak- und Alkoholkonsums und Vermeidung von Übergewicht sind ebenfalls Teil der Schulungen.

Veranstaltungen in Muttersprache

Mit diesem Wissen informieren die so ausgebildeten Mediatoren ihre Landsleute in muttersprachlichen Veranstaltungen über das deutsche Gesundheitssystem und gesundheitsbezogene Themen. Laut Ministerium geschieht dies inzwischen in 45 verschiedenen Sprachen. Ziel des Ministeriums ist ein flächendeckendes Angebot für Menschen mit Migrationshintergrund in ganz Bayern.

Das sei deshalb so wichtig, weil die Gesundheit von Migranten in einigen Bereichen stärker belastet sein könne und sie Vorsorgeangebote seltener in Anspruch nähmen. Mit MiMi solle die Gesundheitskompetenz von Migranten gesteigert und ihnen der Zugang zu Gesundheitsförderungs- und Präventionsangeboten erleichtert werden.

Mehr als 32.000 Menschen mit Migrationsgeschichte haben an MiMi-Veranstaltungen bisher teilgenommen, die nach Angaben des Ministeriums 2019 mit bislang rund 330.000 Euro gefördert wurden. Bereits seit seinem Start im Jahr 2008 unterstützt das bayerische Gesundheitsministerium das Projekt MiMi-Bayern des Ethno-Medizinischen Zentrums e.V. mit Sitz in Hannover.

Seit Juni 2019 wird MiMi zudem vom Institut für Epidemiologie und Präventivmedizin der Universität Regensburg wissenschaftlich evaluiert. (sct)

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