Ärzte Zeitung online, 24.10.2017

Pädiatrie

Transition mit 18 Jahren ist kein Fixpunkt

Kinder- und Jugendärzte plädieren für einen flexiblen Übergang in die Erwachsenenmedizin.

BAD ORB. Eine strukturierte Transitionsbegleitung für einen reibungslosen Übergang vom Jugendlichen- ins Erwachsenenalter sollte zwischen dem 17. und 24. Lebensjahr erfolgen. Der bisher übliche fixe Übergang im 18. Lebensjahr hat sich in der Praxis nicht bewährt.

Darauf hat Dr. Martina Oldhafer vom Universitätsklinikum Schleswig-Holstein als Vorsitzende der Deutschen Gesellschaft für Transitionsmedizin beim Herbstkongress der Kinder- und Jugendärzte in Bad Orb hingewiesen.

Die Fähigkeiten, Selbstmanagement-Kompetenz für die eigene Erkrankung zu entwickeln, falle je nach Ausprägung der Erkrankung bei jungen Patienten unterschiedlich aus. Mit dem neuen aus dem Innovationsfonds finanzierten Forschungsprojekt "Trans FIT" hofft Martina Oldhafer, diese Erkenntnisse aus der Praxis auch wissenschaftlich evaluieren und neue Leitlinien für die Transitionsmedizin generell und für die Übergangszeit speziell aufstellen zu können.

Auch der Bad Orber Kongressleiter Professor Klaus-Michael Keller bekräftigte, dass man bei jungen Menschen mit chronischen Darmerkrankungen die Übergangszeit deutlich flexibler gestalten müsse und auf den Zeitraum von 16 bis 21 Jahren strecken sollte. In den USA sei diese Transitionsspanne sogar bis auf das Alter von 23 Jahren ausgedehnt worden.

Am deutlichsten brachte die Hamburger Neuropädiaterin Dr. Kirsten Stollhoff am Beispiel junger ADHS-Patienten das Dilemma auf den Punkt. Die wenigsten dieser Patienten seien mit 18 Jahren aufgrund ihrer Hirnreife in der Lage, "alles selbstständig zu erledigen und in allen Bereichen volle Verantwortung zu übernehmen." Besonders hapere es am Zeitmanagement und am geforderten Tempo. Auch falle es vielen 18-jährigen Patienten schwer, "Struktur in den Tag zu bekommen" und ihre erhöhte Impulsivität unter Kontrolle zu halten, zumal mit dem Erwachsenenalter oft die Medikation umgestellt werden müsse. (ras)

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

NEU als Themen abonnierbar: Frauengesundheit und Kindergesundheit

Alzheimer-Anzeichen schon 25 Jahre vor Ausbruch

Die Alzheimer-Demenz kündigt sich in einigen Formen offenbar lange vor Krankheitsbeginn an. Das bringt Zeit, um die Erkrankung zu verhindern - womöglich sogar zwei Jahrzehnte. mehr »

Placebo ist nicht gleich Placebo

Ein Scheinmedikament zu verordnen, gilt manchen Ärzten als anrüchig - andere halten es für legitim. Bei vielen hängt es davon ab, woraus das spezielle Placebo besteht. mehr »

Wie Ärzte Hausbesuche richtig delegieren

Das EBM-Kapitel 38 macht den NäPA-Hausbesuch auch für Fachärzte interessant. Was abgerechnet werden darf, hängt nämlich entscheidend von der Qualifikation der Praxismitarbeiterin ab. mehr »