Onkologie 2050
Onkologie der Zukunft: Alltagswissen integrieren!
„Onkologie 2050“ heißt eine neue Diskussionsveranstaltung des Springer Medizin Verlags, in Kooperation mit Daiichi Sankyo Deutschland, deren erste Episode kürzlich live ins Internet gestreamt wurde. Es ging um neue Therapien, Integration von Alltagswissen, Finanzierbarkeit und Adhärenz.
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Vernetzung – gerade auch in der Onkologie enorm wichtig! In einem digitalen Register, wie es mit dem Deutschen Netzwerk für angewandte Präzisionsmedizin (DNAmed) geplant ist, könnten nicht nur aktuelle klinische Studien, sondern auch Alltagserfahrungen berücksichtigt werden, abrufbar rund um die Uhr.
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Berlin. Die Lebenserwartung und Lebensqualität vieler Krebspatientinnen und -patienten hat sich in den vergangenen Jahrzehnten deutlich verbessert. Zugleich wird die onkologische Versorgung immer komplexer. Wie sieht die Krebstherapie von morgen aus? Hat die Chemotherapie ausgedient? Bleibt das Versorgungssystem finanzierbar?
Mit diesen und weiteren Fragen zur Onkologie der Zukunft beschäftigt sich ein neues Talk-Format des Springer Medizin Verlags mit Kolleginnen und Kollegen sowie Betroffenen unter der Moderation von Denis Nößler, Chefredakteur der Ärzte Zeitung, und in Kooperation mit Daiichi Sankyo Deutschland.
Gießkannenprinzip der Chemotherapie ade?
„Das Gießkannenprinzip der Chemotherapie hat ausgedient“, meinte Doris C. Schmitt. Schmitt ist selbst Krebspatientin und Vorständin der in Augsburg ansässigen Stiftung PATH (Patient‘s Tumor Bank of Hope), die eine Biobank für Brustkrebsgewebeproben betreibt. Mammakarzinome zum Beispiel könnten heute auf molekularer Ebene viel genauer als früher charakterisiert werden. Dies ermögliche eine zielgerichtetere und deutlich effektivere Therapie, so Schmitt.
Dem konnte Professor Bernhard Wörmann, Hämatoonkologe an der Charité Berlin, zwar zustimmen. Er glaube aber nicht, dass Chemotherapien in den nächsten Jahren verschwinden werden. Gleichwohl rückten Kinaseinhibitoren und Immuntherapien zunehmend in den Vordergrund. RNA-Inhibitoren und die Beeinflussung von Transkriptionsfaktoren werden seiner Ansicht nach „den nächsten großen Schwung“ in die Krebstherapie bringen.
Als große Herausforderung sieht Wörmann die Tatsache, dass klinische Krebsstudien nicht repräsentativ für die Alltagsversorgung in der Onkologie seien: ältere Menschen, Multimorbidität, onkologische Vorerkrankungen würden unzureichend abgebildet. Es brauche mehr Daten aus dem Versorgungsalltag. „Onkologie ist pragmatisch und nicht dogmatisch. Und so müssen wir uns auch verhalten!“
Wie Straßenkarten auf Papier
Hier knüpfte Professor Thorsten Schlomm, Direktor der Klinik für Urologie an der Charité, an und verglich onkologische Standards mit Straßenkarten auf Papier: Sobald gedruckt, ist sie schon veraltet, aktuelle Baustellen und Staus bildet sie nicht ab. Anders als digitale Straßenkarten wie die App Google Maps: Staus, Baustellen und die aktuell schnellste Route werden auf Grundlage der Daten vieler Nutzer mitgeteilt. Solche Informationen aus der realen Welt brauche es auch für die moderne onkologische Behandlung, so Schlomm.
„99 Prozent des medizinischen Wissens wird nicht genutzt, weil das in den Köpfen der Menschen ist“, sagte er. Helfen könnten digitale Register, wie es mit dem Deutschen Netzwerk für angewandte Präzisionsmedizin (DNAmed) geplant ist. In einem solchen Netzwerk würden nicht nur aktuelle klinische Studien, sondern auch Alltagserfahrungen berücksichtigt, abrufbar rund um die Uhr. Mit diesen Daten ließen sich zudem Studien simulieren, Kontrollgruppen mit Placebo-Behandlung würden verzichtbar.
Balance zwischen dem was machbar, und dem was bezahlbar ist
Die Radiologin, Molekularbiologin und Bundestagsabgeordnete der Grünen, Dr. Paula Piechotta aus Leipzig, sprach sich angesichts von Forderungen von Fachgesellschaften und der pharmazeutischen Industrie nach neuen Methoden der Evidenzgenerierung in der Onkologie dafür aus, Evidenz nicht auszuhöhlen. Rückschritte dürfe es nicht geben. Gute Evidenz müsse die Grundvoraussetzung für neue Therapie- und neue Vergütungsformen sein. Zugleich gelte es, die Balance zu finden zwischen dem was machbar, und dem was bezahlbar sei. Dazu müsse man angesichts weiterer gesellschaftlicher und geostrategischer Herausforderungen den Blick weiten.
Heilung von Krebs ist ein wünschenswertes, aber keineswegs ausschließliches Ziel der Krebstherapie von morgen. Vielfach werde es in Zukunft darum gehen, potenziell tödliche in chronische Krankheiten zu überführen. Dazu sei es nötig, den sich unter der Therapie wandelnden Tumor konsequent zu monitoren, etwa per Liquid Biopsies, hieß es.
Thematisiert wurde auch die verbreitete Non-Adhärenz. Je komplexer die Therapien werden, desto mehr müsse man sie erklären, damit etwa orale Therapien auch regelmäßig eingenommen würden, sagte Schmitt. Allein mit Adhärenz-verbessernden Maßnahmen ließen sich bereits heute höhere Überlebensraten erzielen als bislang, ist sie überzeugt. Ganz abgesehen davon, dass per Non-Adhärenz pro Jahr vermutlich Milliarden Euros buchstäblich im Mülleimer landen.
Weitere Infos unter: https://www.aerztezeitung.de/Kooperationen/Onkologie-in-der-Zukunft








