Ärzte Zeitung, 22.07.2008

Köhler: Hausärzte profitieren von der Laborreform

KBV-Chef: Wirtschaftlichkeitsbonus wird erhöht

BERLIN (ami). Die Laborreform kommt. Die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) einigte sich jetzt mit den Vertretern der Krankenkassen im Gemeinsamen Bewertungsausschuss auf Einzelheiten. Erster Schritt ist die umstrittene Direktabrechnung der Laborgemeinschaften mit den KVen. Sie kommt wie geplant ab Oktober.

Befürchtungen, dass Laborgemeinschaften oder beteiligte Ärzte dadurch umsatz- und gewerbesteuerpflichtig würden, wies KBV-Chef Dr. Andreas Köhler gestern in Berlin zurück. Er hob stattdessen hervor, dass von dem mit der Direktabrechnung verbundenen Einsparpotenzial von 70 Millionen Euro die Hausärzte profitieren würden.

Ab Oktober wird ihr Bonus für die wirtschaftliche Veranlassung von Laborleistungen erhöht. Zeitgleich werden drei neue Parameter im Akutlabor geschaffen, mit denen Hausärzte auch Glucose, Quick-Wert und D-Dimer bestimmen können. "Damit wird die Einsparung aus der Laborreform unmittelbar den Hausärzten zugute kommen", so Köhler.

Weitere Details zur Umsetzung der Reform bis 2014 wurden ebenfalls im Bewertungsausschuss vereinbart. Vorgesehen ist unter anderem, dass die Leistungen im Speziallabor ab Januar 2009 neubewertet werden. Die KBV rechnet mit Einsparungen von 46 Millionen Euro. Die Einsparungen sollen unter anderem für neue Laborleistungen verwendet werden.

Geplant ist, dass bis Ende Juni 2009 ein Bewertungsverfahren für die Kostenerstattung neuer Labormethoden in der GKV eingerichtet wird und dafür die Gebührenordnungsposition für "ähnliche Untersuchungen" gestrichen wird.

Lesen Sie dazu auch:
KBV sieht keine Umsatzsteuer-Gefahr

[25.07.2008, 00:59:00]
Eva Taberski 
Laborreform
Kosten rollen durch die Laborreform auf die Arztpraxen und Laborgemeinschaften zu!

Es muß auch klar gemacht werden, dass durch diese Reform Kosten für Praxen entstehen! Ist es nicht so, dass durch die Verwendung des neuen Laboranforderungscheines die Praxen gezwungen werden LaserDrucker anzuschaffen, da der Barcode zum einlesen der Anforderung nicht mit Tintenstrahldrucker lesbar ist? Und was ist mit dem EDV Programm der Laborgemeinschaften? Neue Einlesegeräte müssen angeschafft werden und die EDV Änderung!!! Kostet alles Geld! Zahlt diese Kosten die KV? Wahrscheinlich nicht. Super Idee Laboranalysen in der Praxis durchzuführen!? Wer ersetzt die entstehenden Personalkosten, die Kosten für Qualitätskontrollen? Was hilft da eine bessere Vergütung, wenn auf der anderen Seite hohe Kosten entstehen? Von der besseren Vergütung, die dem Hausarzt zugute kommt, ist hier wohl nicht mehr viel übrig! Für mich ist das der lang geplante Untergang der Laborgemeinschaften verbunden mit Arbeitsplatzverlust! Desweiteren muß man sich die Frage stellen, ob nicht wieder einmal der Patient darunter leidet, und die zahlen sowieso schon regelmäßig Beitragserhöhungen an die GKV! Mehr Geld für weniger Leistung!
Wer spart hier eigentlich Geld und für wen?

Übrigens, für Labormediziner ist diese Reform auch kein Gewinn. Die haben die Reform nicht eingeführt und werden auch gedeckelt. Laborfachärzte dürfen für die Reform nicht verantwortlich gemacht werden und als Sündenbock dienen.

E. Taberski

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